race-news
| 2010 | Jan | Feb | März | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
| 2009 | Jan | Feb | März | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
| 2008 | Jan | Feb | März | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
Marathon-Spektakel in New York: Schafft Paula Radcliffe Sieg Nummer vier?

Paula Radcliffe kann am Sonntag zum vierten Mal in New York gewinnen.
Foto: photorun.net
[30.10.2009] In New York fällt am Sonntag einmal mehr der Startschuss zu dem Marathonspektakel schlechthin. Bis zu 40.000 Läufer aus aller Welt werden auf der Verrazano Bridge das Rennen beginnen, ein Millionenpublikum wird an der Strecke erwartet. Hochklassig besetzt sind die Elitefelder des Rennens, das seit einigen Jahren der größte Marathonlauf der Welt ist. Die letzten vier Auflagen stehen gemessen an den Zielzahlen auf den ersten vier Plätzen in der Liste der größten Marathonrennen aller Zeiten: 38.557 waren im Jahr 2007 im Ziel, 38.096 waren es 2008, 37.954 vor drei Jahren und 36.856 im Jahr 2005.
Am Sonntag wird in New York ein kleines Jubiläum gefeiert, denn das Rennen wird zum 40. Mal gestartet. Aufgrund des Jubiläums haben sich die Veranstalter einen besonderen Bonus innerhalb des Preisgeldsystems ausgedacht: Jene Athleten, die in vergangenen Jahren schon einmal in New York gewonnen haben, erhalten am Sonntag im Falle eines erneuten Triumphes 200.000 US Dollar für den Sieg. Die normale Siegprämie beträgt 130.000 Dollar.
Erste Anwärterin auf das New Yorker Rekordpreisgeld ist Paula Radcliffe – vorausgesetzt die Britin ist fit. In den vergangenen Wochen gab es einmal mehr Fragezeichen bezüglich der Form der Marathon-Weltrekordlerin (2:15:25 Stunden), nachdem sie kurzfristig auf den Start bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften in Birmingham verzichtet hatte. Eine Angina stoppte Paula Radcliffe Anfang Oktober. Doch vor wenigen Tagen erklärte die 35-Jährige gegenüber britischen Medien: „Ich freue mich, dass ich nach verschiedenen verpassten Rennen nun in New York an den Start gehen kann und ich möchte dort wirklich gut laufen. Das Training war gut und ich würde nicht starten, wenn ich nicht glauben würde, dass ich das Rennen gewinnen kann.“
Genau ein Jahr wird es her sein, seit Paula Radcliffe zum letzten Mal einen Marathon gelaufen ist. In New York startet sie als Titelverteidigerin und könnte das Rennen zum dritten Mal hintereinander und zum vierten Mal insgesamt gewinnen. 2004 triumphierte Paula Radcliffe zum ersten Mal in Big Apple. Ist sie wirklich in Topform, könnte der sechs Jahre alte Kursrekord von Margaret Okayo (Kenia/2:22:31) am Sonntag ein Ziel sein. Stärkste Konkurrentinnen dürften die Boston-Siegerin Salina Kosgei (Bestzeit: 2:23:22) und die Äthiopierin Dire Tune (2:24:40) sein. Dagegen ist die beste Zeit der 41-jährigen Russin Ludmila Petrova (2:21:29 in 2006) sicherlich vorbei und Yuri Kano (Japan) geht mit dem Handikap ins Rennen, erst vor gut zwei Monaten bei der WM gelaufen zu sein – dort wurde sie Siebente. Eine Überraschung ist am ehesten wohl der 26-jährigen Tatyana Petrova (Russland) zuzutrauen. Die frühere Weltklasse-Hindernisläuferin war bei ihrem Marathon-Debüt im Januar Vierte in Dubai in 2:25:53 und gewann dann in Los Angeles mit 2:25:59.
Deutlich stärker besetzt ist das Männerennen in New York. Zwölf Athleten sowie ein Master-Läufer (Wertung ab 40 Jahre) gehen mit Bestzeiten von unter 2:10 ins Rennen. Die Amerikaner hoffen dabei auf Ryan Hall, der sich im vergangenen Jahr in London als Fünfter auf starke 2:06:17 Stunden gesteigert hatte. Doch es sind wohl eher andere, die als die ganz großen Favoriten an den Start gehen: Der zweimalige New York-Sieger Marilson Gomes dos Santos (Brasilien/2006 und 2008/Bestzeit: 2:08:37), der zweimalige Weltmeister Jaouad Gharib (Marokko/2:05:27) sowie die Kenianer James Kwambai (2:04:27) und Patrick Makau (2:06:14) stehen unter anderen auf der Startliste. Passen mussten der frühere Marathon-Weltrekordler Paul Tergat und sein Landsmann Martin Lel. Beide Kenianer laborieren an Verletzungen.
Bereits entschieden ist die in New York endende World Marathon Majors (WMM)-Serie 2008-2009. Sammy Wanjiru (Kenia) und Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) teilen sich den Jackpot von einer Million Dollar.
Text: race-news-service.com
Gilbert Kirwa: Auf dem Weg zu 2:04 Stunden?

Es geht aufwärts: Gilbert Kirwa posiert mit der Frankfurter Frauen-Siegerin Agnes Kiprop vor der Börse.
Foto: photorun.net
[26.10.2009] Gilbert Kirwa gelang beim Commerzbank Frankfurt Marathon am Sonntag der größte Triumph seiner noch jungen Läuferkarriere. Der 23-jährige Kenianer gewann das hochklassige Rennen in einer Kursrekordzeit von 2:06:14 Stunden und sortiert sich damit in der Liste der schnellsten Läufer aller Zeiten auf Rang 17 ein.
Gilbert Kirwa stammt aus Embu, er lebt und trainiert jedoch in Eldoret. Das ist das Zentrum der kenianischen Weltklasseläufer. Er ist noch nicht lange außerhalb Kenias bei großen Straßenläufen unterwegs. Dass er überhaupt die Chance hatte, bei einem großen Rennen außerhalb seiner Heimat zu starten, verdankt er auch seinem Trainingspartner und Freund Jason Mbote, der am Sonntag als Zwölfter in 2:11:30 Stunden ins Ziel kam.
2008 war Gilbert Kirwa zunächst als Tempomacher für Jason Mbote beim Seoul-Marathon an den Start gegangen – auf speziellen Wunsch seines Trainingspartners. Es war sein erstes Rennen außerhalb Kenias. Die Tempoarbeit machte er bis Kilometer 33 so gut (Mbote rannte als Zweiter Bestzeit mit 2:07:37), dass ihn sein holländischer Manager Gerard van de Veen, der unter anderen auch den dreifachen Frankfurt-Sieger Wilfred Kigen betreut, nach Wien schickte. Dort fand im April ein in dieser Konstellation einmaliger Marathon statt, denn die Veranstalter ließen im Elitefeld ausschließlich Debütanten laufen. Gilbert Kirwa gewann, nachdem er zeitweise sogar auf Kurs für einen neuen Streckenrekord in Wien (2:07:38) gelegen hatte, doch am Ende wurde es zu warm. Nach beachtlichen 2:08:21 Stunden war er im Ziel an der Hofburg. Im Sommer stellte der Kenianer dann auch persönliche Bestzeiten über 10 km (28:04 Minuten) und im Halbmarathon auf (61:52).
Nach seinem Sieg beim Wiener ,Debütantenball’ hatte Gilbert Kirwa erklärt: „Mein Ziel ist es, eines Tages 2:04 Stunden zu laufen. Ich will Schritt für Schritt zu einer solchen Zeit kommen. Ich denke, das ist möglich für mich, wenn ich weiterhin gut trainieren kann.“ In Frankfurt bestätigte er diese Aussage. Einen ersten großen Schritt in diese Richtung machte er dann im Rennen am Sonntag. Eine Zeit unter 2:06 könnte schon im nächsten Jahr möglich sein für Gilbert Kirwa, der erst vor vier Jahren mit ernsthaftem Lauftraining begonnen hatte. Im nächsten Jahr wird der Kenianer bei einem der großen Frühjahrs-Marathonrennen starten, im Herbst würde er gerne seinen Titel in Frankfurt verteidigen.
Nach seinem Sieg in Wien kaufte er sich von seinem Preisgeld ein Stück Land in Eldoret, wo auch seine Eltern und Geschwister inzwischen wohnen. In Frankfurt kassierte er für den Streckenrekord in einer Zeit von unter 2:07 Stunden 95.000 Euro. „Jetzt werde ich anfangen ein Haus zu bauen und werde meiner Familie helfen“, kündigte Gilbert Kirwa an.
„Gilbert ist ein sehr ruhiger Mensch, der aber genau weiß, was er will“, beschreibt Gerard van de Veen den Frankfurt-Sieger. „Am Sonnabend habe ich ihn gefragt, was er erreichen möchte und er sagte: ,Ich will eine persönliche Bestzeit laufen.’ Dann fragte ich ihn: ,Und was noch?’ Und er antwortete: ,Ich will gewinnen.’ Nur zwei Dinge, aber er hat beides erreicht.“
Text: race-news-service.com
Farah gewinnt in Portsmouth, Komen in Venedig

Mo Farah gewann am Sonntag über 10 Meilen in Portsmouth.
Foto: photorun.net
[26.10.2009] Während Günther Weidlinger in Frankfurt am Sonntag den 23 Jahre alten österreichischen Marathonrekord mit einer Zeit von 2:10:47 Stunden knackte, gelang einem anderen europäischen Läufer ebenfalls ein Achtungserfolg: Mo Farah gewann den Bupa Great South Run im englischen Portsmouth. Der Brite besiegte über die 10-Meilen-Distanz starke afrikanische Konkurrenz. Farah siegte bei windigem Wetter in 46:25 Minuten.
„Die Jungs haben es mir nicht einfach gemacht“, erklärte Mo Farah in Bezug auf den Rennverlauf. Stephen Mokoka (Südafrika) und der Marathon-Weltmeister von 2007, Luke Kibet (Kenia), hatten sich frühzeitig abgesetzt. Doch Mo Farah wählte eine andere Taktik hielt sich aufgrund des Windes zurück und sparte Kräfte für das letzte Drittel des Rennens. In diesem Abschnitt schloss er zur Spitze auf und setzte sich schließlich im Schlussspurt mit einer Sekunde Vorsprung vor Mokoka durch. Kibet, der schon vorher zurückgefallen war, wurde Dritter mit 47:16 Minuten.
Ein Start-Ziel-Sieg gelang der Portugiesin Ines Monteiro, die einen Vorsprung von fast eineinhalb Minuten herauslief. Nach 52:32 Minuten war sie vor ihrer Landsfrau Ana Dulce Felix (Portugal/53:58) und Benita Willis (Australien/54:41) im Ziel.
Wie in Frankfurt gab es auch beim Venedig-Marathon kenianische Sieger: John Komen setzte sich bei den Männern in flotten 2:08:13 Stunden vor seinen Landsleuten Paul Samoei (2:10:09) und Benson Cherono (2:10:19) durch. Vierter wurde der Ukrainier Alex Kuzin in 2:10:54. Die Kenianerin Anne Kosgei war in 2:27:46 vor Jelena Yal (Äthiopien/2:28:41) und Alena Samokhvalova (Russland/2:28:47) im Ziel.
Text: race-news-service.com
Gilbert Kirwa und Günther Weidlinger brechen Rekorde in Frankfurt

Gilbert Kirwa gewinnt mit einem Streckenrekord in Frankfurt.
Foto: photorun.net
[25.10.2009] Der Commerzbank Frankfurt-Marathon hat seinen Aufwärtstrend ein weiteres Mal fortgesetzt. In einem begeisternden Männerrennen triumphierte der Kenianer Gilbert Kirwa vor rund 350.000 Zuschauern mit einer Kursrekordzeit von 2:06:14 Stunden. Auch der zweitplatzierte Vorjahressieger Robert K. Cheruiyot erzielte mit 2:06:23 Stunden eine Weltklassezeit und blieb deutlich unter seinem alten Streckenrekord von 2:07:21. Damit hat sich das Rennen als deutsche Nummer zwei hinter Berlin etabliert und seinen Status als Gold Label Race, der höchsten Kategorie des internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF), bestätigt.
Die Rekordzahl von 12.614 Marathonläufern aus 71 Nationen hatte sich für das Rennen angemeldet, Rahmenwettbewerbe hinzugerechnet waren es sogar über 20.000. Knapp 350.000 Zuschauer säumten die Strecke bei sehr guten Wetterbedingungen.
Mit Gilbert Kirwas Siegzeit ist der Frankfurt-Marathon in diesem Jahr bisher das siebtschnellste Marathonrennen weltweit. In der aktuellen Jahresweltbestenliste sortierte sich Gilbert Kirwa auf Rang zehn ein. Als einziges deutsches Rennen dieses Jahres produzierte der Marathon zwei Männerzeiten unter 2:07 Stunden. Rang drei belegte mit William Kiplagat der Trainer von Cheruiyot. Der Kenianer erreichte das Ziel nach starken 2:07:05 Stunden. Drei weitere Kenianer blieben im hochklassigsten Rennen der Geschichte des Laufes unter der 2:10-Stunden-Marke.
Vergleichsweise nicht ganz so stark war das Frauenrennen am Main. Agnes Kiprop gewann und machte somit den ersten kenianischen Doppelsieg seit dem Jahr 2000 perfekt. Vor neun Jahre war Esther Barmasai zugleich die letzte Kenianerin, die in Frankfurt gewann. Agnes Kiprop lief nach 2:26:57 Stunden ins Ziel in der Frankfurter Festhalle.
Aufgrund der hochklassigsten Männerergebnisse in der Geschichte des Rennens hat der Frankfurt-Marathon auch in einer anderen Statistik einen großen Sprung gemacht: In der Liste der schnellsten City-Marathonrennen der Welt liegt Frankfurt nun bereits auf Rang elf und hat unter anderem New York hinter sich gelassen. Hierbei zählt der Durchschnitt der schnellsten zehn Männerzeiten, die je bei einem Rennen erzielt wurden. Für Frankfurt beträgt dieser Wert nun 2:07:49,6 Stunden.
Mit einer Zwischenzeit von 63:35 Minuten hatte die 14-köpfige Spitzengruppe die Halbmarathonmarke erreicht. Das war etwas langsamer als ursprünglich geplant. Doch bald darauf war es der Titelverteidiger Cheruiyot, der die Initiative ergriff. Jetzt wurde das Rennen deutlich schneller. Zunächst versuchte Elias Kemboi dem Vorjahressieger zu folgen, doch das gelang ihm nur kurzzeitig. Dann aber schaffte es Gilbert Kirwa den Ausreißer wieder einzufangen. Kurz nach der 30-km-Marke waren beide gleichauf, bei 38 km konnte sich Gilbert Kirwa im zweiten Marathon seiner Karriere entscheidend lösen. „Ich bin jetzt zweimal Marathon gelaufen und habe zweimal gewonnen – ich bin wirklich glücklich“, erklärte Gilbert Kirwa, der im April sein Debüt in Wien in 2:08:21 gewonnen hatte. Der 23-jährige Kenianer verbesserte den Streckenrekord von Robert K. Cheruiyot um 67 Sekunden und verdiente sich dafür eine Rekordprämie von 95.000 Euro.

Günther Weidlinger bricht den österreichischen Uralt-Marathonrekord.
Foto: photorun.net
Eine ebenso starke und überraschende Leistung schaffte Günther Weidlinger. Der Österreicher verbesserte sich in seinem zweiten Marathon auf 2:10:47 Stunden und wurde Zehnter. Damit brach er den 23 Jahre alten Landesrekord von Gerhard Hartmann (2:12:22). „Ich bin schneller gelaufen als geplant und bin froh, dass es geklappt hat“, sagte Günther Weidlinger, der bei seinem Debüt in Wien 2:12:39 Stunden gelaufen war. Der 31-Jährige steht nunmehr auf Position sieben der europäischen Jahresbestenliste. „Ich möchte mich bedanken bei den Organisatoren und den Zuschauern, denn ich wurde hier behandelt wie ein Frankfurter“, sagte Günther Weidlinger.
Auch bei den Frauen dominierte Kenia das Geschehen. Agnes Kiprop erreichte das Ziel nach 2:26:57 Stunden vor ihrer Landsfrau Hellen Kimutai (2:27:50). Dritte wurde Karolina Jarzynska (Polen) mit 2:29:10. Die 29-Jährige Kiprop erhält für ihren Sieg 15.000 Euro. Kurz vor der 30-km-Marke hatte sie sich abgesetzt von der Konkurrenz. „Aber erst bei Kilometer 41 wusste ich, dass ich gewinnen würde, denn ich hatte Probleme mit der Oberschenkelmuskulatur“, sagte die 29-jährige Siegerin, die daher keine schnellere Zeit erreichte.
Zehnte wurde bei ihrem Abschiedsrennen Luminita Zaituc (LG Braunschweig) in 2:35:06 Stunden. Nach einem flotten Beginn hatte sie zwischen Kilometer 25 und 35 eine schwere Phase, doch die 41-Jährige kämpfte sich zurück ins Rennen. „Es war ein tolles Erlebnis heute und ich bin ein bisschen wehmütig. Vielleicht bin ich 2010 noch einmal als Hobbyläuferin dabei“, erklärte Luminita Zaituc.
Text: race-news-service.com
Abschiedsrennen für Zaituc, doch Rekordjagd von Weidlinger in Frankfurt?

Günther Weidlinger und Luminita Zaituc in Frankfurt.
Foto: photorun.net
[24.10.2009] Mit Luminita Zaituc (LG Braunschweig) und dem Österreicher Günther Weidlinger rücken auch zwei deutschsprachige Läufer in den Blickpunkt beim Commerzbank Frankfurt-Marathon.
Luminita Zaituc wird dabei am Sonntag ihre leistungssportliche Karriere beenden. Die 41-jährige Langstrecklerin hat nicht zufällig das Rennen am Main als letzten Lauf gewählt. Es war hier, wo sie bereits am Anfang ihrer Marathonkarriere im Jahr 2001 mit 2:26:01 Stunden gewann. Dieses Ergebnis ist ihre Bestzeit geblieben. Und das wird auch am Sonntag so bleiben, denn in Höchstform ist Luminita Zaituc nicht mehr. Trotzdem will sie noch einmal einen Marathon laufen, „mit dem ich zufrieden bin, wenn ich im Ziel bin“. Ein Ergebnis von unter 2:30 Stunden wäre ein Abschied mit dem sie sehr zufrieden wäre.
„Gemessen an meinem Training müsste eine Zeit von knapp unter 2:30 Stunden möglich sein, aber man weiß natürlich bei einem Marathon nie, ob das am Ende auch so klappt“, sagt Luminita Zaituc, die sich keinen besseren Abschiedslauf als den in Frankfurt vorstellen konnte. „Das passt perfekt, denn hier hatte ich schöne Erfolge.“ Nach ihrem Sieg 2001 wurde sie ein Jahr später Zweite und 2003 triumphierte sie ein zweites Mal am Main. Bezüglich einer Top-Platzierung macht sich Luminita Zaituc allerdings keine Illusionen. Sie weiß um die Stärke ihrer Konkurrentinnen. „Das Feld ist in diesem Jahr besonders stark. Das ist schon bald wie beim New York-Marathon“, sagt Luminita Zaituc, die 2004 in New York einen starken sechsten Platz belegt hatte und dieses Ergebnis zu den besten ihrer Laufbahn zählt.
Der größte Erfolg bei einer internationalen Meisterschaft gelang der aus Rumänien stammenden Athletin 2002 bei den Europameisterschaften in München. Damals gewann sie im Marathon eine Silbermedaille. Durchaus beachtlich war auch ihr Olympiarennen 2004. im brütend heißen Athen belegte sie auf dem harten Original-Marathonkurs von Marathon nach Athen Platz 18. Pech hatte sie allerdings vor gut zwei Monaten beim WM-Marathon in Berlin, als ihr die falsche Flasche am Verpflegungspunkt gereicht wurde. Ausgerechnet bei der Heim-WM bekam sie die Flasche von Ulrike Maisch, die mit Tee und Honig gefüllt war. Diese Kombination war so ungewohnt für Luminita Zaituc, dass sie starke Seitenstiche bekam und das Rennen schließlich aufgab. Das war ärgerlich und schade zugleich. „Aber auch wenn ich in Berlin bei der WM ein gutes Resultat erreicht hätte, wäre ich zum Abschluss in Frankfurt gestartet“, sagt Luminita Zaituc, die bis zu 180 km pro Woche trainiert hat, um sich für das Rennen am Sonntag in Form zu bringen. Ganz mit dem Laufen aufhören wird Luminita Zaituc nach dem Frankfurt Marathon aber nicht. Was sie genau machen wird, wollte die viertschnellste deutsche Marathonläuferin aller Zeiten aber noch nicht verraten.
Während Luminita Zaituc sich auf ihr Abschiedsrennen freut, hofft Günther Weidlinger auf einen ebenso unbeschwerten Marathon, der ihn am Ende vielleicht doch zum dieses Mal ungeplanten österreichischen Rekord führen könnte.
In Österreich ist der 31 Jahre alte Läufer schon so etwas wie eine Leichtathletik-Legende, hat er doch auf den Mittel- und Langstrecken fast alle nationalen Rekorde in seinem Besitz. Unter anderen auf den Bahndistanzen 1500 Meter (3:34,69 Minuten), 3000 Meter Hindernis (8:10,83), 5000 Meter (13:13,44) und 10.000 Meter (27:36,46). Hinzu kommen zwei österreichische Bestmarken auf der Straße: 10 Kilometer in 28:10 Minuten, Halbmarathon in 61:42 Minuten. Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney erreichte der Weltklasseläufer über 3000 Meter Hindernis den achten Platz. Bei der WM 2007 gingen Bilder seines brutalen Sturzes um die Welt. Weidlinger war in Osaka im Vorlauf so unglücklich gestolpert, dass er mit dem Gesicht auf den Hindernisbalken knallte. Unabhängig von diesem Sturz konzentrierte sich der Österreicher danach auf die Straßen-Langstrecken.
Günther Weidlinger debütierte im April 2009 in Wien über die Marathondistanz. Dabei lief er 2:12:39 Stunden und verpasste den avisierten Landesrekord von Gerhard Hartmann aus dem Jahr 1986 nur um 17 Sekunden. Doch in Wien konnte er nicht sein 100-prozentiges Leistungsvermögen abrufen. Er lief mit einem Verletzungsproblem, das zudem nicht richtig diagnostiziert worden war. Zunächst nahm man an, es handele sich um einen Leistenbruch. Umsonst wurde er nach dem Vienna City-Marathon an der Leiste operiert. Diagnostiziert wurde dann ein Ermüdungsbruch im Becken, doch auch das war falsch. Es handelte sich um eine Muskelansatzentzündung im Becken.
Durch die mehrfachen Fehldiagnosen hat Günther Weidlinger im Frühjahr und Sommer viel Zeit verloren, doch er scheint rechtzeitig vor dem Frankfurt-Marathon in Form zu kommen. Im September lief er in Sheffield ein gutes Comeback-Rennen. Bei dem hochkarätigen 10-km-Rennen wurde er Siebenter in 29:46 Minuten. „Ich bin sehr zufrieden, dass ich nach nur vier Wochen Training so ein gutes Rennen hingelegt habe“, sagte Günther Weidlinger damals gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA.
„In der letzten Zeit lief es besser als erwartet im Training“ erklärte Günther Weidlinger nun am Freitag in Frankfurt. „Und da ich jetzt hier erfahren habe, dass es eine Tempomachergruppe geben wird, die eine Halbmarathon-Zwischenzeit von 66 Minuten anpeilt, werde ich dort mitlaufen. Das ist die schnellstmögliche Zeit, die mit dem Trainer verabredet wurde. Vielleicht läuft es am Ende ohne Druck besser für mich und ich kann sogar schneller als in Wien sein.”
Text: race-news-service.com
Außerordentlich starke Besetzung beim Frankfurt-Marathon

Ein enorm starkes Feld startet am Sonntag in Frankfurt.
Foto: photorun.net
[18.10.2009] Mit einer außerordentlich starken Besetzung wird am Sonntag die 28. Auflage des Commerzbank Frankfurt-Marathons gestartet. 14 Läufer mit Bestzeiten von unter 2:09 Stunden stehen auf der Startliste. Das ist einmalig bei einem deutschen City-Marathon. Selbst in Berlin gab es noch nie eine derartige Dichte in der Spitze, obwohl das Hauptstadt-Rennen seine Rolle als hochkarätigster deutscher Marathon natürlich behalten wird. Schließlich wurden an der Spree schon sieben Weltrekorde gebrochen. Doch das Rennen am Main setzt seine starke Entwicklung der letzten Jahre fort und dürfte sich nun als klare Nummer zwei in Deutschland etablieren. Auch das Frauenfeld ist so stark wie nie zuvor am Main. Hinzu kommt, dass sich immer mehr Breitensportler für Frankfurt entscheiden: Die Veranstalter, die bis einschließlich Sonnabend noch Nachmeldungen annehmen, rechnen mit einer Rekordzahl von knapp 13.000 Marathonläufern.
14 Starter mit Zeiten unter 2:09, das ist auch international eine Seltenheit für einen Stadtmarathon. Ursprünglich waren es sogar 15, doch verletzungsbedingt musste Yared Asmeron (Eritrea) inzwischen passen.
Voraussichtlich wird im Jahr 2009 kein anderes Rennen derartig viele Läufer mit solchen Bestzeiten am Start haben, selbst wenn man als Zeitgrenze 2:10 Stunden nehmen würde. Die World Marathon Majors (WMM)-Rennen hatten sicherlich einige der absoluten Topstars am Start (die für Frankfurt noch zu teuer sind), nicht jedoch eine derartige Breite. Zum Vergleich: In Boston wiesen zehn Läufer Zeiten unter 2:09 Stunden auf und zwei weitere waren schon unter 2:10 gelaufen, in London waren es 12 plus 1, in Berlin 6 plus 3, in Chicago 7 plus 0 und in New York werden voraussichtlich rund zehn Läufer mit Bestzeiten von unter 2:10 ins Rennen gehen.
Passen Wetter und Tempomacher, könnte es in Frankfurt eine Flut von Topzeiten geben, die in diesem Jahr selbst Berlin übertreffen könnte. „Wenn das Wetter mitspielt, hoffen wir auf einen neuen Streckenrekord. Praktisch mit geballter Kraft wollen wir den erreichen und uns mit der Siegzeit unter den schnellsten zehn Marathonrennen des Jahres platzieren“, sagt der Sportliche Leiter Christoph Kopp, der sich mit dieser Aussage eher noch zurückhält. Den Kursrekord hält der Vorjahressieger Robert Kiprono Cheruiyot (Kenia) mit 2:07:21 Stunden. In Anbetracht des Feldes erscheinen Zeiten um 2:06 nicht ausgeschlossen.
Der 21-jährige Cheruiyot trifft unter anderen auf seine Landsleute Benjamin Kiptoo, den Rom-Sieger 2009 (Bestzeit 2:07:17), Hosea Rotich (2:07:24) und Jason Mbote (2:07:37). Chancenreich sind außerdem der aktuelle Wien-Sieger Gilbert Kirwa, der bei seinem Debüt im April 2:08:21lief, der Zweitplatzierte des Vorjahres, Wilson Kigen (2:08:16) und Laban Kipkemboi (alle Kenia/2:08:38). Unter mehreren Debütanten ist auch John Kiprotich (Kenia), der im September beim Rotterdam-Halbmarathon als Sechster eine Weltklassezeit von 59:23 Minuten lief. Die europäischen Hoffnungen trägt Günther Weidlinger (Österreich), der im April in Wien sein Marathondebüt in 2:12:39 Stunden lief.
Auch das Frauenfeld ist so stark wie nie zuvor in Frankfurt. Ein Dutzend Läuferinnen haben Bestzeiten von unter 2:30 Stunden. Mit sehr guten Chancen gehen die beiden Kenianerinnen Rose Cheruiyot (Bestzeit: 2:25:48) und Agnes Kiprop, die im Frühjahr in Turin mit 2:26:22 gewann, an den Start. Irene Limika (2:28:31) und Ruth Wanjiru (2:27:38) sind weitere starke Läuferinnen aus Kenia, während aus Äthiopien mit Firehiowot Dado (2:27:08) die aktuelle Rom-Marathon-Siegerin sowie die Fünftplatzierte des Tokio-Marathons, Shitaye Debelu (2:26:10). Die schnellste Läuferin im Feld ist noch eine andere: Atsede Baysa lief bei ihrem Sieg in Paris im April 2:24:42. Doch hinter der Form der Äthiopierin steht wohl ein Fragezeichen, denn das Rennen in Frankfurt wird bereits ihr vierter Marathon in diesem Jahr. Das kann normalerweise nicht gut gehen. „Bei Baysa muss man sicherlich etwas skeptisch sein, aber trotzdem hoffe ich, dass eine der anderen Starterinnen bei guten Bedingungen den Kursrekord brechen kann“, sagt Christoph Kopp.
Ihr Abschiedsrennen wird in Frankfurt Luminita Zaituc (LG Braunschweig) laufen. Die 41-Jährige, die bei der EM 2002 Zweite war, hatte das Rennen 2001 mit 2:26:01 Stunden gewonnen – diese Zeit blieb ihr persönlicher Rekord.
Text: race-news-service.com
Weltmeisterin Xue Bai gewinnt Peking-Marathon

Xue Bai gewinnt acht Wochen nach dem WM-Marathon in Berlin auch in Peking.
Foto: photorun.net
[18.10.2009] Innerhalb von zwei Monaten ist die Chinesin Xue Bai zu einem zweiten großen Marathonsieg gelaufen. Die erst 20-Jährige gewann am Sonntag das Rennen in Peking, das vom internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) als ,Gold Label Race’ klassifiziert worden ist und somit zur höchsten Kategorie der Straßenrennen zählt. Die Weltmeisterin von Berlin war in ihrer Heimat allerdings deutlich langsamer als bei ihrem Lauf zur Goldmedaille. Sicherlich aufgrund des kurzen Zeitabstandes noch nicht wieder in Topform lief Xue Bai 2:34:44 Stunden. Bei kühlen aber zeitweise windigen Wetterbedingungen gewann Samuel Mugo (Kenia) das Männerrennen in guten 2:08:20 Stunden.
Das Männerrennen war lange Zeit sehr viel schneller als es die Siegzeit vermuten lässt. Mit einem Kilometerschnitt von meist genau drei Minuten führte Tempomacher Nicholas Manza (Kenia) die Spitzengruppe an. Nach 30:00 Minuten waren 10 km gelaufen, in genau 1:30 Stunden hatte Manza die 30-km-Marke erreicht. Zu diesem Zeitpunkt folgten ihm noch drei Athleten: Samuel Mugo, Rachid Kisri (Marokko) und Benson Barus (Kenia). Er Marokkaner war der erste, der vor der 35-km-Marke zurückfiel. Die Entscheidung fiel dann nach 38 km, als Samuel Mugo sich von seinen Landsleuten lösen konnte. Tempomacher Nicholas Manza hatte entschieden, im Rennen zu bleiben und belegte einen starken zweiten Platz in 2:08:42. Er war damit neun Sekunden schneller als Barus, Kisri lief auf Rang vier mit 2:09:36.
Bei den Frauen lief Xue Bai mit einer ähnlichen Taktik wie beim WM-Triumph in Berlin zum Sieg. Lange Zeit hielt sich die junge Chinesin zurück, doch auf den letzten Kilometern setzte sie erfolgreich auf ihre Grundschnelligkeit und zog davon. „Ich weiß, dass ich auf den letzten Kilometern schnell bin“, erklärte Xue Bai gegenüber dem Korrespondenten der IAAF-Internetseite (iaaf.org). In Berlin war Xue Bai 2:25:15 Stunden gelaufen, in Peking reichten ihr 2:34:44. Auch die nächsten Plätze gingen an Chinesinnen: Zhang Xin wurde in 2:34:49 Zweite, Zhu Xiaoling folgte mit 2:34:55 auf Rang drei.
Text: race-news-service.com
Frankfurt-Marathon setzt neue Maßstäbe mit Männer-Elitefeld

Robert Kiprono Cheruiyot kehrt als Vorjahressieger nach Frankfurt zurück.
Foto: photorun.net
[15.10.2009] Das Männer-Elitefeld des Commerzbank Frankfurt-Marathons wird am 25. Oktober neue Maßstäbe setzen: Gleich 15 Läufer mit Bestzeiten von unter 2:09 Stunden wurden für das Rennen verpflichtet, das sich damit fest etabliert in der höchsten Kategorie der internationalen Straßenläufe, der IAAF Gold Label Races. Eine derartige Breite in der Spitze hat bisher kein anderer deutscher City-Marathon gesehen, auch nicht der Lauf in Berlin. Maximal ein Dutzend Läufer mit Bestzeiten von unter 2:10 Stunden gingen in der deutschen Hauptstadt bisher an den Start. Dennoch wird Frankfurt sicherlich nicht Berlins Rolle als hochkarätigster deutscher Marathon gefährden können. Sieben Weltrekorde sprechen für das hohe Tempo in Berlin. Doch das Rennen am Main setzt seine starke Entwicklung fort und wird sich nun als klare Nummer zwei in Deutschland etablieren. Beim Frankfurt-Marathon erwarten die Veranstalter eine Rekordzahl von bis zu 13.000 Teilnehmern, Anmeldungen sind weiterhin möglich.
Im Einzelnen sind ein Athlet mit einer Bestzeit unter 2:07 Stunden, fünf mit persönlichen Rekorden unter 2:08 Stunden und neun mit Bestzeiten unterhalb der 2:09-Stundenmarke am Start. „Wenn das Wetter mitspielt, hoffen wir auf einen neuen Streckenrekord“, sagt der Sportliche Leiter des Laufklassikers am Main, Christoph Kopp. Den Kursrekord hält seit dem vergangenen Oktober Robert Kiprono Cheruiyot aus Kenia, der mittlerweile 21-Jährige gewann seinerzeit in 2:07:21 Stunden.
Cheruiyot hat bei seiner zweiten Frankfurt-Teilnahme allerdings harte Herausforderer, auch wenn der dreimalige Sieger Wilfred Kigen aus Kenia mangels Form passen muss. Cheruiyot, der Sensationssieger des Vorjahres, trifft unter anderen auf seinen Landsmann Benjamin Kiptoo, den Rom-Sieger 2009 (Bestzeit 2:07:17), Hosea Rotich (Kenia/2:07:24), Jason Mbote (Kenia/2:07:37) und Joseph Ngolepus (Kenia/2:07:57).
Nicht unbedingt als Herausforderer, sondern auch als Trainer von Cheruiyot ist William Kiplagat beim Frankfurt Marathon dabei. Der mittlerweile 37-jährige Kenianer lief seine Bestzeit (2:06:50) vor zehn Jahren. Aufgewertet wird die hochklassige Konkurrenz zudem von einem Laufstar aus Eritrea. Yared Asmeron (Bestzeit 2:08:34) war WM-Vierter 2007 und Olympia-Achter 2008. Chancen auf eine vordere Platzierung werden auch dem aktuellen Wien-Sieger Gilbert Kirwa (Kenia/2:08:21) sowie dem Zweitplatzierten des Vorjahres, Wilson Kigen aus Kenia (2:08:16), eingeräumt. Wilson Kigen ist übrigens der Cousin des dreimaligen Frankfurt-Siegers Wilfred Kigen. In dem breiten Feld internationaler Spitzenklasse dürfte es für den europäischen Spitzenläufer Günther Weidlinger schwer werden. Der Österreicher feierte im April in Wien sein Marathondebüt in 2:12:39 Stunden.
Unter mehreren Debütanten – darunter auch Läufer, die erstmals außerhalb ihres Heimatlandes starten (so wie der Überraschungs-Sieger Cheruiyot im vergangenen Jahr) – hat einer vor kurzem gezeigt, dass er bereit ist für seinen ersten Marathon: John Kiprotich (Kenia) wurde beim Rotterdam-Halbmarathon Sechster in der Weltklassezeit von 59:23 Minuten.
Text: race-news-service.com
Irina Mikitenko über ihr Chicago-Rennen, den WMM-Sieg und die nächsten Pläne

Irina Mikitenko
Foto: photorun.net
[14.10.2009] Mit dem zweiten Platz beim Bank of America Chicago-Marathon setzte Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) am vergangenen Sonntag ihre Serie hochklassiger Marathon-Resultate fort. Von den fünf Rennen ihrer Karriere, die alle zu den World Marathon Majors gehörten, hat sie drei gewonnen und war zweimal Zweite. Nach dem Chicago-Marathon gab Irina Mikitenko das folgende Interview:
Wie fühlen Sie sich nach dem zweiten Platz?
Irina Mikitenko: Ich glaube, ich brauche mich nicht zu verstecken. Ein zweiter Platz in Chicago, das ist schon etwas. Zugleich bin ich aber auch etwas enttäuscht, dass ich nicht gewonnen habe. Aber Liliya Shobukova war besser vorbereitet als ich.
Die Siegerin hatten Sie vorher als starke Konkurrentin genannt.
Irina Mikitenko: Ja, vor ihr hatte ich Respekt und mit ihr hatte ich gerechnet. Ich wusste:wenn sie am Ende noch vorne dabei sein sollte, dann ist sie schneller als ich.
Liliya Shobukova profitierte am Ende von ihrer sehr guten Grundschnelligkeit. Hätten Sie bei einem von vornherein deutlich schnelleren Tempo bessere Chancen gehabt?
Irina Mikitenko: Ich glaube schon, aber das Problem war zum einen, dass es extrem kalt war, so dass wir dadurch sehr langsam gelaufen sind. Hinzu kam, dass meine Vorbereitung dieses Mal kürzer war, also nicht ganz so gut wie sonst. Dadurch habe ich mich nicht getraut, das Tempo eher zu forcieren. Vielleicht war das ein taktischer Fehler, aber ich wusste nicht, ob es gut gehen würde. Auf den letzten zehn Kilometern habe ich es versucht, aber es reichte nicht mehr.
Die WMM-Serie 2008-2009 haben Sie gewonnen.
Irina Mikitenko: Ja, jetzt kann zu 100 Prozent nichts mehr passieren. Da freue ich mich natürlich sehr, denn das ist ein besonderer Erfolg. Die WMM kann man nur gewinnen, wenn man zwei Jahre lang Topleistungen gezeigt hat.
Was machen Sie jetzt als nächstes?
Irina Mikitenko: Wir haben einen Türkei-Urlaub gebucht und fahren in die Wärme ans Meer. Die Kinder freuen sich schon, sie haben nach dem Rennen von zu Hause aus angerufen und waren happy über meinen zweiten Platz. Sie haben ja auch mitbekommen, wie schwierig die Vorbereitung war.
Und welche Ziele haben Sie 2010?
Irina Mikitenko: Ich habe noch keine konkreten Pläne bezüglich des Frühjahrs, erst mal will ich mich ausruhen und regenerieren. Im Sommer kann ich mir vorstellen, bei der EM in Barcelona die 10.000 Meter zu laufen.
Text: race-news-service.com
Geoffrey Mutai zeigt Weltklasseleistung beim Eindhoven-Marathon

Geoffrey Mutai - Kenias nächster großer Marathonläufer?
Foto: volaresports.nl
[12.10.2009] Aus Kenias schier endlosem Reservoir von Topläufern ist der nächste Weltklasse-Marathonläufer aufgetaucht: Geoffrey Mutai steigerte sich beim Eindhoven-Marathon am Sonntag auf 2:07:01 Stunden und verbesserte damit seinen eigenen Kursrekord aus dem Vorjahr um 49 Sekunden. Sein atemberaubendes Tempo in der Schlussphase des Rennens lässt darauf schließen, dass der 28-Jährige noch ein deutlich größeres Potenzial hat. Den Namen Geoffrey Mutai wird man sich merken müssen.
Nach 63:56 Minuten hatte die große Spitzengruppe in Eindhoven die Halbmarathonmarke passiert, bei 25 km (1:16:09 Stunden) waren immer noch 13 Läufer vorne dabei. Doch auf den nächsten 10 Kilometern verschleppten die Favoriten das Tempo etwas. Sie nahmen die Pace der Hasen nicht an, das Rennen wurde taktisch. Alle schauten auf den Vorjahressieger Geoffrey Mutai. Als der Kenianer dann bei 35 km (1:46:32) ernst machte, hatte keiner mehr eine Chance. Über eine Minute Vorsprung lief Mutai, der sich im Sommer bei einem 10-km-Straßenlauf im holländischen Voorthuizen auf 27:39 Minuten gesteigert hatte, auf den letzten gut sieben Kilometern noch heraus.
Seine Zwischenzeiten für diesen finalen Abschnitt waren erstaunlich: In 14:24 Minuten lief er die 5 km zwischen 35 und 40 km, 6:04 brauchte er für die letzten 2,195 km! Damit war er deutlich schneller unterwegs als zum Beispiel Haile Gebrselassie (Äthiopien) bei seinem Marathon-Weltrekord in Berlin 2008 (14:28 und 6:26). „Ich bin mir sicher, dass Geoffrey das Potenzial hat, 2:05 Stunden zu laufen, wenn er in einem besser besetzten Rennen startet“, erklärte sein holländischer Manager Gerard van de Veen.
Auch die Breite in der Spitze war stark beim Eindhoven-Marathon: Gleich neun Läufer blieben unter 2:10 Stunden. Die ersten acht Plätze belegten kenianische Athleten. Zweiter wurde Philip Sanga in 2:08:07, Rang drei ging an Joseph Ngeny mit 2:08:10. Als Vierter lief Samson Barmao 2:09:20 Stunden.
Deutlich schwächer besetzt war das Frauenfeld des Rennens. Hier gewann Beate Naigambo (Namibia) mit der Landesrekordzeit von 2:31:01 Stunden vor der Kenianerin Lydia Kurgat (2:31:26). Rang drei belegte Virginie Vandroogenbroeck (Belgien) mit 2:43:48.
Text: race-news-service.com
Jan Fitschen joggt 10 km beim München-Marathon

Europameister Jan Fitschen joggte in München über 10 km.
Foto: photorun.net
[12.10.2009] Der ukrainische Medizinstudent Maksym Salii und die Schweizerin Luzia Schmid waren die Marathonsieger bei der im weitesten Sinne als Breitensportevent angelegten 24. Auflage des München-Marathon. Das Hauptaugenmerk galt jedoch in weitaus größerem Maße dem eingegliederten 10-km-Lauf mit den prominenteren Siegern Sebastian Hallmann und Julia Viellehner und der zweitplatzierten Ingalena Heuck. Die gefragtesten Interviewpartner waren jedoch zwei Europameister, der sich unter die 10-km-Jogger mischende Jan Fitschen und die Marathon-Europameisterin Ulrike Maisch, die beim Startschuss assistierte.
„Wir stehen dazu, dass wir einen volkstümlichen Lauf organisieren. Es ist bekannt, dass wir keine Topathleten verpflichten. Das weiß die Stadtspitze und auch die Sponsoren und die finden das okay“, erklärte Gernot Weigl die Ausrichtung des München-Marathons. Er zeigte sich angesichts der 10.705 Anmeldungen, darunter 6472 im Marathon und 2.598 im 10-km-Lauf, durchaus zufrieden. „Damit liegen wir auf dem Niveau der beiden vergangenen Jahre. Wir werden natürlich alles daran setzen, dass es im kommenden Jahr bei der 25. Auflage mehr werden.“
Schnellster im Marathon durch München war der in Leipzig Medizin studierende 27 Jahre alte Ukrainer Maksym Salii, der nach 2:28:13 Stunden im Ziel war. Dahinter kamen der erst 22-jährige Lübecker Dennis Mehlfeld (2:28:46) und der als Favorit angekündigte Italiener Adriano Pinamonti (2:28:58) ins Ziel.
Luzia Schmid (Schweiz) war die schnellste Frau. „Ich habe mich erst letzte Woche entschieden, mit meinem Verein nach München zu fahren. Dass ich dann aber als Siegerin ins Olympiastadion einlaufen würde, damit habe ich natürlich nicht gerechnet“, sagte die 35-jährige Bürokauffrau, die in 2:53:16 Stunden gewann. Mit 2:54:33 brauchte die Münchenerin Bianca Meyer, die wie im Vorjahr auf Rang zwei einlaufen konnte, kaum eine Minute länger für die Strecke durch ihre Heimatstadt.
Europameister Jan Fitschen ließ es nach eineinhalbjähriger Verletzungspause im Pulk der Hobbyläufer „sehr gemütlich“ angehen, wie er mit Blick auf seine beiden Laufkollegen verriet. „Zum Einrollen war dies genau richtig. Es hat riesig Spaß gemacht“, bekannte der Wattenscheider, der über 10 km 54:32 Minuten lief. Allerdings richtete er einen leicht wehmütigen Blick auf den Tagesschnellsten Sebastian Hallmann, der die Konkurrenz in 31:31 Minuten beherrschte.
Auch Ulrike Maisch laboriert an einer hartnäckigen Verletzung herum. „Die Achillessehne zwickt schon seit längerem, deshalb kann ich nur eingeschränkt belasten“, sagte die Rostockerin. Sie wurde Augenzeuge des souveränen Auftritts von Julia Viellehner, die eine Woche nach ihrem starken Halbmarathonsieg in Köln die 10 km-Strecke in München für sich entscheiden konnte. Nach 35:09 war die Passauerin im Ziel.
Text: race-news-service.com / Wilfired Raatz
Wanjiru und Shobukova siegen, Mikitenko Zweite in Chicago

Sammy Wanjiru gewinnt den Chicago-Marathon.
Foto: photorun.net
[11.10.2009] Kenias Olympiasieger Sammy Wanjiru und die Russin Liliya Shobukova sind die Sieger des Bank of America Chicago-Marathons. Mit einem beachtlichen zweiten Platz meldete sich währenddessen Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) bei dem hochkarätigen Rennen zurück. Die 37-Jährige war nach dem Tod ihres Vaters im Juli und einem daraus resultierenden Trainingsausfall noch nicht wieder so stark wie zum Beispiel bei ihrem deutschen Rekordlauf in Berlin 2008 (2:19:19). Doch nach einer schweren Zeit ist Rang zwei ein großer Erfolg. Lediglich die am Ende sehr starke Russin Liliya Shobukova, die in 2:25:56 Stunden gewann, war in Chicago noch etwas schneller als Irina Mikitenko, die bei eiskaltem Wetter nach 2:26:31 im Ziel war. „Ich glaube, ich brauche mich nicht zu verstecken. Ein zweiter Platz in Chicago, das ist schon etwas“, sagte Irina Mikitenko in einer ersten Reaktion.
Für den sportlichen Höhepunkt des Rennens in Chicago, das mit seinen rund 45.000 Meldungen auch zu den World Marathon Majors (WMM) gehört, sorgte jedoch der Olympiasieger: Sammy Wanjiru setzte sich auch bei seinem ersten Lauf in den USA durch, stellte mit 2:05:41 Stunden einen Streckenrekord auf und erzielte die schnellste je in Amerika gelaufene Marathonzeit. Dabei verbesserte er die vor zehn Jahren aufgestellte Bestmarke des aus Marokko stammenden Khalid Khannouchi (USA) um genau eine Sekunde. Damals bedeuteten jene 2:05:42 Weltrekord.

Irina Mikitenko rennt durch das eiskalte Chicago.
Foto: photorun.net
Sammy Wanjiru und Irina Mikitenko stehen zudem nach dem Chicago-Marathon definitiv als Sieger der WMM-Serie 2008-2009 fest. Sie teilen sich eine Prämie von einer Million US-Dollar. Die Ehrung erfolgt im Rahmen des New York-Marathons am 2. November, dem Tag nach dem Rennen durch Big Apple.
Fünfmal ist Sammy Wanjiru bisher Marathon gelaufen – viermal hat der erst 22-Jährige gewonnen, einmal war er Zweiter. Darunter sind Siege bei Olympia, in London sowie nun auch in Chicago. Sammy Wanjiru hat einmal mehr gezeigt, dass er zurzeit wohl der beste Marathonläufer der Welt ist, wenn auch noch nicht der schnellste. Er dürfte aber in der Lage sein, auch den derzeitigen Weltrekord von Haile Gebrselassie (Äthiopien/2:03:59) zu brechen. Voraussetzung ist aber, dass er ein perfektes Rennen findet. In Chicago und London ist Wanjiru inzwischen immerhin Kursrekordler und die olympische Bestzeit hält er ebenso seit Peking 2008.
Auf der schnellen Strecke in den USA lag der Kenianer dabei lange Zeit auf Weltrekordkurs. „Das Tempo fühlte sich leicht an, ich habe den Tempomachern angezeigt, dass sie schneller laufen sollen“, erzählte Sammy Wanjiru später. Nach 62:01 Minuten war die erste Hälfte absolviert – genau nach Plan. Doch das Problem war dann, dass die Tempomacher nicht stark genug waren. Schon kurz nach Kilometer 25 ging der letzte von ihnen, Patrick Ivuti (Kenia), aus dem Rennen. Da lief Sammy Wanjiru gemeinsam mit seinen Landsleuten Vincent Kipruto und Charles Munyeki an der Spitze. Obwohl die drei zeitweilig sogar Trainingspartner sind, entwickelte sich nun ein taktisches Rennen, bei dem der Sieg und nicht mehr die Zeit im Mittelpunkt stand. Eine Reihe von deutlich langsameren Kilometern ließen den Weltrekord schnell außer Reichweite rücken. Als dann Sammy Wanjiru bei 35 km das Tempo wieder forcierte, gewann er damit das Rennen und sicherte sich neben einer Siegprämie von 75.000 Dollar noch eine Kursrekordprämie von 100.000 Dollar. Dass es mit der Streckenbestzeit so knapp werden würde, wusste Sammy Wanjiru nicht, als er auf den letzten 100 Metern ins Publikum winkte. „Ich habe nicht an den Kursrekord gedacht. Aber ich bin dankbar, dass ich aufgrund einer Sekunde 100.000 Dollar gewonnen habe“, sagte ein lachender Olympiasieger. Mit einer starken Schlussphase schob sich Abderrahim Goumri (Marokko) in 2:06:04 noch auf Platz zwei vor Vincent Kipruto (2:06:08) und Charles Munyeki (2:07:07).

Liliya Shobukova ist die schnellste Frau in Chicago.
Foto: photorun.net
Das Frauenrennen begann bei Temperaturen von knapp über dem Gefrierpunkt mit einem sehr verhaltenen Tempo. Nach 18:22 Minuten erreichte die Spitzengruppe die 5-km-Marke und auch danach wurde es lange Zeit nicht wesentlich schneller. Die erste Hälfte war nach 1:15:04 Stunden gelaufen. Irina Mikitenko lief durchweg in der Führungsgruppe und ergriff dann rund 10 km vor dem Ziel die Initiative. Doch sie konnte sich nicht lösen, so dass auch bei Kilometer 40 noch vier Läuferinnen an der Spitze lagen. Neben der späteren Siegerin Shobukova und der Deutschen waren dies noch die Äthiopierin Teyba Erkesso, die zweimal vergeblich versucht hatte, der Gruppe davonzulaufen, sowie die Titelverteidigerin Lidiya Grigoryeva (Russland).
„Ich wusste, dass das jetzt mein Terrain ist“, erzählte die 31 Jahre alte Liliya Shobukova später bezüglich ihrer starken Schlussphase. Die Russin ist mit einer 5.000-m-Bestzeit von 14:23,75 Minuten die viertschnellste Läuferin aller Zeiten über diese Distanz. Entsprechend stark war ihr Antritt, dem auch Irina Mikitenko nicht folgen konnte. Doch die Deutsche war immerhin am Ende schneller als die drittplatzierte Lidiya Grigoryeva (2:26:47) sowie die folgenden Teyba Erkesso (2:26:56), Berhane Adere (Äthiopien/2:28:38) und Deena Kastor (USA/2:28:50). Die US-Rekordlerin, die sich bei Olympia 2008 einen Ermüdungsbruch im Fuß zugezogen hatte, lief ein gutes Marathon-Comeback und war bei Kilometer 30 noch in der Spitzengruppe.
Text: race-news-service.com
Tadese und Keitany mit Top-Zeiten Halbmarathon-Weltmeister

Zersenay Tadese gewann erneut den Halbmarathon-WM-Titel in Birmingham.
Foto: photorun.net
[11.10.2009] Zersenay Tadese (Eritrea) und Mary Keitany (Kenia) haben bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften die Goldmedaillen gewonnen. Dabei überzeugten sie in Birmingham jedoch nicht nur mit ihren Siegen sondern auch mit hervorragenden Zeiten. Der 27-jährige Tadese lief nach 59:35 Minuten ins Ziel, die gleichaltrige Keitany gewann ihren ersten großen Titel sogar in Afrika-Rekordzeit: 66:36 Minuten lief die Kenianerin und wurde damit zur zweitschnellsten Athletin aller Zeiten über die genau 21,0975 km lange Strecke.
Zersenay Tadese wurde in Birmingham zum alleinigen Rekord-Sieger dieser Meisterschaften. Denn zum vierten Mal in Folge gewann der 10.000-m-WM-Zweite von Berlin diese Goldmedaille. 2006 allerdings wurde anstelle eines Halbmarathons ein 20-km-Rennen gelaufen.
„Es war ein schwieriges Rennen mit starker Konkurrenz und zudem auch einigem Wind“, sagte Zersenay Tadese, der sich dennoch bereits nach rund 10 km von seinen Konkurrenten löste und einer souveränen Titelverteidigung entgegen lief. Während sich der als vermeintlich stärkster Herausforderer gehandelte Kenianer Sammy Kitwara am Ende mit Rang zehn in 61:59 Minuten zufrieden geben musste, sprang ein Landsmann in die Bresche: Bernard Kipyego setzte sich in einem packenden Schlussspurt in 59:59 Minuten mit lediglich einer Sekunde Vorsprung vor dem überraschend starken US-Amerikaner Dathan Ritzenhein durch. Kipyego war erst im April seinen ersten Halbmarathon gelaufen und hatte dabei gleich das hochkarätig besetzte Rennen in Berlin gewonnen. Damals lief der inzwischen 23-Jährige auf Anhieb 59:34 Minuten, dann steigerte er sich in Rotterdam auf 59:10.
Hinter dem mit 60:00 Minuten persönliche Bestzeit laufenden Dathan Ritzenhein belegten Wilson Kiprotich (Kenia/60:08), Samuel Tsegay (Eritrea/60:17) und Wilson Chebet (Kenia/60:59) die nächsten Ränge. Bester Europäer war der Italiener Daniele Meucci, der als 18. nach 62:43 im Ziel war.
Die erstaunlichste Leistung allerdings vollbrachte am Sonntag in Birmingham Mary Keitany. Vor zwei Jahren hatte sie bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften in Udine ihren größten Erfolg gefeiert. Damals wurde sie Zweite hinter ihrer früheren Landsfrau Lornah Kiplagat (Niederlande), die in Italien den noch gültigen Weltrekord von 66:25 Minuten aufgestellt hatte. Jetzt verpasste Mary Keitany diese Marke lediglich um elf Sekunden und wurde zur zweitschnellsten Halbmarathonläuferin aller Zeiten (ausgenommen Ergebnisse von Rennen mit zu stark abfallenden Strecken, die damit nicht die Anforderungen für offizielle Rekorde erfüllen).
Das Ergebnis der Mary Keitany ist umso bemerkenswerter, wenn man weiß, dass sie am Tag zuvor alles andere als eine optimale Vorbereitung auf das Rennen hatte: Knapp eine Stunde lang steckte die Kenianerin in einem Fahrstuhl fest, den sie auf dem Weg zur Pressekonferenz genommen hatte. „Natürlich hat mich das beeinträchtigt. Ich dachte, ich würde einen Kollaps bekommen, denn es war sehr heiß in diesem Fahrstuhl und wir schwitzten alle“, erzählte sie von dem Platzangst-Erlebnis, das sie noch mit zwei anderen Läufern teilte: Sammy Kitwara und Dathan Ritzenhein hingen ebenfalls fest.
„Ich habe danach sehr viel Wasser getrunken“, erzählte Mary Keitany, die am Sonntag im Gegensatz zu ihrem Landsmann Kitwara trotzdem in Topform war. Sie fühlte sich sogar so stark, dass sie während des Rennens ihre lange Zeit einzige Verfolgerin, die Äthiopierin Aberu Kebede, lautstark aufforderte, sich an der Tempoarbeit zu beteiligen. Kebede lehnte mehrmals ab und so lief Kitwara einfach davon, nachdem beide den 10-km-Punkt nach schnellen 31:04 Minuten erreicht hatten. Die nächste Zwischenzeit wäre ein Weltrekord gewesen, wenn dieser Streckenpunkt nicht ein zu großes Gefälle zum Start gehabt hätte: 15 km erreichte die Kenianerin nach 46:51 Minuten. Damit hatte sie bereits einen Vorsprung von 40 Sekunden auf Aberu Kebede und lief einem souveränen Sieg entgegen.
Im Kampf um Platz zwei musste sich Kebede im Schlussspurt der Kenianerin Philes Ongori (67:38) geschlagen geben. Sie erreichte als Dritte eine Sekunde später das Ziel. Caroline Kilel (Kenia/68:16), Metawet Tufa (69:11) und Tirfi Tsegaye (beide Äthiopien/69:24) belegten die nächsten Plätze in diesem hochkarätigen Rennen. Kimberley Smith (Neuseeland/69:35) war auf Rang sieben die beste Nicht-Afrikanerin.
Text: race-news-service.com
Joan Aiyabei bricht 10-km-Kursrekord in Berlin

Joan Aiyabei gewinnt in Berlin mit einem Streckenrekord.
Foto: berlin-läuft.de / P. Dera
[11.10.2009] In der Streckenrekordzeit von 33:48 Minuten gewann die Kenianerin Joan Aiyabei am Sonntag den 10-km-Wettbewerb bei den Asics Grand 10 Berlin. Bei den Männern siegte überraschend der Tscheche Jan Kreisinger mit 29:46. Mit 6.489 Läufern aus 25 Nationen verzeichnete Veranstalter ,Berlin läuft’ einen Teilnehmerrekord. Parallel zu dem 10-km-Rennen fanden auch eine 2x5-km-Staffel sowie ein Kinderlauf über rund 1,6 km statt.
Bei kühlen Temperaturen und zeitweiligem Nieselregen entwickelte sich auf der Strecke mit Start und Ziel am Schloß Charlottenburg sowie einer Passage durch den Zoo ein Zweikampf. Der favorisierte Faustin Musa (Tansania) und Jan Kreisinger liefen bis kurz vor Kilometer neun gemeinsam an der Spitze. Danach setzte sich überraschend der 25-jährige Tscheche vom Afrikaner ab. „Das ist einfach mein Wetter, bei Hitze hätte ich Faustin Musa wohl nicht schlagen können“, erklärte Jan Kreisinger, der hofft, sich im nächsten Jahr über 5.000 m für die Europameisterschaften in Barcelona qualifizieren zu können. Hinter Jan Kreisinger (29:46) und dem zweitplatzierten Faustin Musa (29:59) wurde Wolfram Müller (LG Asics Pirna) in 30:26 Minuten Dritter. „Für mich als Mittelstreckler ist diese Zeit im Herbst ein Ergebnis, mit dem ich sehr zufrieden sein kann“, erklärte Wolfram Müller, der nach seinem starken vierten Platz über 1.500 m bei der Hallen-EM aufgrund einer Muskelverletzung im Oberschenkel die WM im Sommer verpasste. „Ich bin bereit für das nächste Jahr. Ziel ist es dann, bei der EM ins Finale zu kommen.“
Auf Rang sieben kam Falk Cierpinski (SG Spergau) in 32:16 Minuten ins Ziel. Nach einer Pause von rund einem Monat hatte er noch nicht wieder genug Training in den Beiden, um ganz vorne dabei zu sein. „Es war ein bisschen zu kühl und ich merkte, dass meine Oberschenkelmuskulatur fest wurde“, erklärte Falk Cierpinski. „Gut war aber, dass ich heute kein Seitenstechen hatte. Das war das Problem beim WM-Marathon und bei weiteren Rennen in diesem Jahr.“ Dieter Baumann (LAV Asics Tübingen) zeigte, dass er nach wie vor fit ist. Bereits auf Rang neun in 32:53 Minuten erreichte der 5.000-m-Olympiasieger von 1992 das Ziel. „33 Minuten, großzügig aufgerundet, das ist doch ganz okay“, erklärte der 44-Jährige, der am Abend zuvor in der Berliner Mercedes-Welt die Zuschauer mit seinem Kabarett ,Körner, Currywurst, Kenia’ ausgezeichnet unterhalten hatte.
Schnellste Frau war erwartungsgemäß die große Favoritin: Die 30-jährige Kenianerin Joan Aiyabei gewann das Rennen in 33:48 Minuten nach einem Start-Ziel-Sieg und verbesserte den Streckenrekord von Ulrike Maisch (LAV Rostock/34:53) gleich um über eine Minute. „Ich wusste nicht, wo der Kursrekord stand“, sagte Joan Aiyabei und fügte hinzu: „Wenn es wärmer gewesen wäre, hätte ich noch schneller rennen können.“ Mit großem Abstand folgten der Kenianerin Dawn Domaschk (USA/38:31) und Kathrin Wyss (Schweiz/38:52).
„Wir freuen uns über diese deutliche Teilnehmersteigerung, die zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind mit diesem Rennen“, erklärte Race-Direktor Gerhard Janetzky, der dieses Rennen als Deutschlands größten 10-km-Lauf etablieren will.
Text: race-news-service.com
Schweizer Lauenstein entthront Wyatt bei Berglauf-WM

Marc Lauenstein auf dem Weg zur Goldmedaille bei der Berglauf-Weltmeisterschaft.
Foto: wus-media
[11.10.2009] Der 30-jährige Schweizer Orientierungsläufer Marc Lauenstein entthronte in einem begeisternden Rennen bei der Berglauf-WM über die Langstrecke in Söll (Tirol) den siebenfachen Weltmeister Jonathan Wyatt (Neuseeland). Auf der überaus selektiven Marathondistanz mit einer Höhendifferenz von 2.150 m holte sich der zweifache Vizeweltmeister im Orientierungslauf das Weltmeisterschafts-Gold der Bergläufer. Bei den Frauen überholte die Tschechin Anna Pichrtova auf dem überaus steilen Zielhang zur Hohen Salve die unter Krämpfen leidende, zeitweise mit drei Minuten führende Russin Evgeny Danilova und verteidigte ihren im Vorjahr in Großbritannien errungenen Titel erfolgreich. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) holte nach zweijähriger Durststrecke bei diesen internationalen Meisterschaften wieder eine Medaille, denn Alexandra Bott (Darmstadt), Britta Müller (Freudenstadt) und Veronika Ulrich (Regensburg) schafften hinter Russland und Australien die Bronzemedaille in der Team-Wertung.
„Im letzten internationalen Rennen der Saison haben wir endlich die lang ersehnte Medaille errungen“, freute sich der DLV-Berglauf-Chef Wolfgang Münzel. „Es wäre fast noch eine zweite Medaille geworden, da Marco Sturm nur wegen starker Krämpfe die fast schon sichere Bronzemedaille auf den letzten beiden Kilometern noch aus der Hand geben musste.“ Das Männerrennen verlief überaus spannend, denn der Schweizer Zahnarzt Marc Lauenstein führte überraschend vom Start weg in Söll auf 695 m Höhe vor den drei starken Kenianern Richard Chemungor, Daniel Bett und Robert Kipkemoi Yegon, während der Neuseeländer Jonathan Wyatt erst in der zweiten Verfolgergruppe lief. Als bester Deutscher rangierte Marco Sturm überraschend auf Rang zehn. Die Führung wechselte nach dem selektiven Aufstieg zum 1.555 m hohen Hartkaiser (27 km) und dem Abstieg zum Hexenwasser zum 23-jährigen Chemungor, während Lauenstein zwei Minuten dahinter folgte. Wyatt lag zu diesem Zeitpunkt schon zehn (!) Minuten zurück. Diese Reihenfolge wurde auf den vier Schlusskilometern mit 700 Höhenmetern auf den Kopf gestellt.
Die Kenianer brachen erwartungsgemäß ein. Lauenstein konnte die Spitze wieder übernehmen und lief einem klaren Erfolg entgegen. „Nach einer nicht zufrieden stellenden Saison wollte ich zum Jahresende wenigstens noch einmal Spaß haben“, gab der praktizierende Zahnarzt aus der Schweizer Jura-Stadt Neuchâtel zum Besten. „Bei der Orientierungslauf-WM passte noch wenig zusammen, da mein Höhentrainingslager nicht optimal getimt war. Dafür lief es jetzt überraschend. Das habe ich nun wirklich nicht gedacht.“
Sechs Minuten nach dem überraschenden Lang-Distanz-Titelträger Lauenstein stürmte Jonathan Wyatt den steilen Zielhang zur Hohen Salve hinauf. „Gerne wäre ich heute zum achten Mal Weltmeister geworden“, sagte der Neuseeländer, „doch ich hatte Magenprobleme. Außerdem war dies mein fünftes Langstreckenrennen der Saison. Das war vielleicht doch etwas zu viel.“
Dahinter wurde es dramatisch. Marco Sturm rückte auf Rang drei vor, kämpfte jedoch permanent mit Krämpfen und musste letztlich mit einem dennoch sehr starken fünften Rang hinter dem Briten Ricky Lightfoot und dem Kenianer Chemungor zufrieden sein. „Endlich“, freute sich 32-Jährige vom LLC Marathon Regensburg. „Ich habe mich auf diese Langdistanz-WM zwei Monate vorbereitet – und dieses Konzept war goldrichtig.“ Das DLV-Team zeigte eine gute Mannschaftsleistung und verpasste hinter Kenia (9:55:04), England (9:58:18) und Schottland (10:17:04) mit der Gesamtzeit von 10:20:21 Stunden knapp einen Medaillenrang in der Besetzung Sturm, Josef Beha (FC Unterkirnach) und Martin Schedler (SV Schlau.com Saar).
Jubeln durften hingegen die DLV-Frauen. Bei ihrem Comeback nach dreijähriger Berglauf-Auszeit kehrte Alexandra Bott stark zurück und belegte als beste deutsche Läuferin Rang elf, dicht gefolgt von Britta Müller. Die bis zur Streckenhälfte auf Rang zehn platzierte Veronika Ulrich fiel nach 23 km zurück und musste Platz um Platz einbüßen. Dennoch reichte es in der Gesamtzeit von 12:03:19 Stunden zu Rang drei hinter den überlegenen Russinnen (10:56:37) und Australien (11:28:10). „Wir können mit dem Abschneiden unserer Bergläufer sehr zufrieden sein“, sagte Berglauf-Chef Münzel, „denn bis auf Britta Müller und Martin Schedler haben wir nur Läufer eingesetzt, die im Wettkampf wesentlich kürzere Distanzen zurücklegen, sich aber sehr konzentriert auf diese Titelkämpfe vorbereitet haben.“
Ergebnisse: WMRA Long Distance Mountain Running Challenge in Söll/ Österreich (42,195 km, HD 2.150 m): Männer: 1. Marc Lauenstein (Schweiz) 3:06:20, 2. Jonathan Wyatt (Neuseeland) 3:12:05, 3. Ricky Lightfoot (England) 3.14:05, 4. Raymond Chemungor (Kenia) 3:14:51, 5. Marco Sturm (LLC Marathon Regensburg) 3:18:23, 6. Daniel Bett (Kenia) 3:19:02, 7. Robert Kipkemoi Yegon (Kenia) 3:21:11; 8. Andrew Peace (England) 3:21:44.
Frauen: 1. Anna Pichrtova (Tschechien) 3:28:57, 2. Eveny Danilova (Russland) 3:29:23, 3. Anna Frost (Neuseeland) 3:33:20, 4. Elena Rukhlyada (Russland) 3:38:19, 5. Angela Bateup (Australien) 3:48:35, 6. Irina Pankovskaya (Russland) 3:48:55, 7. Vanessa Haverd (Australien) 3:49:27, 8. Colleen Middleton (Australien) 3:50:08… 11. Alexandra Bott (ASC Darmstadt) 3:54:11, 12. Britta Müller (LG badenova Nordschwarzwald) 3:57:18.
Text: race-news-service.com
Tadese kann in Birmingham zum vierten Mal den Halbmarathon-WM-Titel gewinnen

Zersenay Tadese, hier bei seinem Halbmarathon-WM-Sieg 2007, will in Birmingham zum vierten Mal gewinnen.
Foto: photorun.net
[10.10.2009] Ohne Paula Radcliffe finden in Birmingham am Sonntag die Halbmarathon-Weltmeisterschaften statt. Die Britin wollte vor heimischem Publikum als erste Frau zum vierten Mal diesen WM-Titel gewinnen. Doch eine Angina verhindert den Start der 35-Jährigen. „Ich bin total enttäuscht, dass ich nicht starten kann, denn es ist immer etwas besonderes für das britische Team zu laufen – und dann auch noch zu Hause“, erklärte Paula Radcliffe, die am 1. November beim New York-Marathon starten wird. Verletzungsbedingt fällt auch Titelverteidigerin Lornah Kiplagat (Niederlande) aus. Die gebürtige Kenianerin hatte in den vergangenen drei Jahren jeweils gewonnen. Paula Radcliffe war in den Jahren 2000, 2001 und 2003 Halbmarathon-Weltmeisterin.
Zu den Favoritinnen gehören die beiden Kenianerinnen Mary Keitany, die mit 67:00 Minuten die Jahresweltbestenliste anführt, und Philes Ongori (67:50 in diesem Jahr). Die Japaner schicken unter anderen Yurika Nakamura (PB: 69:20) ins Rennen, die beim 10.000-m-WM-Finale in Berlin als Siebente 31:14,39 Minuten lief.
Bei den Männern ist der Titelverteidiger einmal mehr am Start und einmal mehr der Favorit: Zersenay Tadese (Eritrea) kann in Birmingham zum vierten Mal in Folge Halbmarathon-Weltmeister werden. Während der Vorjahres-Zweite Patrick Makau Musyoki (Kenia) in Birmingham fehlt, gilt ein Landsmann als schärfster Konkurrent von Zersenay Tadese: Sammy Kitwara hat vor kurzem den Rotterdam-Halbmarathon gewonnen. Dabei erzielte der Kenianer hochklassige 58:58 Minuten und wurde zum viertschnellsten Läufer über die 21,0975 km aller Zeiten. In dieser Liste steht er einen Platz und eine Sekunde vor Zersenay Tadese. Zu beachten sein wird auch Bernard Kipyego. Kenias Newcomer hat im April bei seinem Debüt den Berliner Halbmarathon in 59:34 Minuten gewonnen und steigerte sich dann in Rotterdam als Vierter auf 59:10. Deutsche Läufer sind in Birmingham nicht am Start.
Text: race-news-service.com
Irina Mikitenko: “Ich bin gespannt auf meine US-Straßenlauf-Premiere in Chicago“

Irina Mikitenko
Foto: photorun.net
[09.10.2009] Als erste Deutsche kann Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) am kommenden Sonntag den Chicago-Marathon gewinnen, der zu den World Marathon Majors (WMM) zählt. Ein halbes Jahr nach ihrem Sieg beim London-Marathon kehrt die deutsche Rekordhalterin (2:19:19 Stunden) wieder an die Startlinie zurück. Nach dem Tod ihres Vaters im Juli hatte sie auf den geplanten Start beim WM-Marathon in Berlin verzichtet. Die 37-jährige Siegerin der WMM-Serie 2007-2008, die auch in der Serie 2008-2009 praktisch uneinholbar führt, gab das folgende Interview vor ihrem Start:
Mit welchen Gefühlen gehen Sie zum ersten Mal bei einem US-amerikanischen Straßenrennen an den Start? Bisher sind Sie lediglich einmal, bei Olympia in Atlanta 1996, über 5.000 m in den USA gestartet.
Irina Mikitenko: Ich bin sehr gespannt auf diese Premiere in den USA. Ich freue mich darauf, in den USA zu laufen, denn dort gibt es sehr viele große und hochklassige Rennen. Zudem haben die Massen-Laufbewegung sowie die City-Marathonrennen in den USA ihren Ursprung. Spannend wird aber auch, wie ich bei einem solchen Rennen die Zeitumstellung verkrafte und wie alles andere dort funktioniert. Der Bank of America Chicago-Marathon ist bereits mein drittes von fünf verschiedenen Rennen der World Marathon Majors. Bisher bin ich in Berlin und London gelaufen, vielleicht kann ich in meiner Karriere bei allen fünf starten.
Die Läufe in Boston und New York sind im Gegensatz zu den anderen Strecken ziemlich hügelig. Würde Ihnen das liegen?
Irina Mikitenko: Ich laufe schon lieber flache Strecken, aber ich hoffe, dass ich in der Zukunft auch noch in Boston und New York starten kann.
War das Streckenprofil auch ein Grund dafür, dass Sie sich für Chicago und gegen New York entschieden haben?
Irina Mikitenko: Ja, das spielte eine wichtige Rolle bei der Entscheidung. Ich weiß, dass die Strecke in Chicago schnell ist. Und ich hätte nicht genügend Zeit gehabt, um mich auf eine schwere, hügelige Strecke wie New York vorzubereiten. Da hätte ich drei Wochen mehr gebraucht, um noch sehr viele Hügelläufe in das Training integrieren zu können.
Die Bedingungen im Trainingslager in St. Moritz waren hier wiederum entscheidend?
Irina Mikitenko: Das stimmt. Das Rennen in New York findet ja drei Wochen nach Chicago statt, so dass die Zeit theoretisch da gewesen wäre. Im Oktober jedoch wäre ein Höhentraining in St. Moritz aufgrund der Wetterbedingungen wohl nicht möglich gewesen. Ich war froh, dass ich jetzt noch bis Ende September dort in meinem gewohnten Trainingslager laufen konnte. Es wurde zwar morgens schon sehr kalt, aber insgesamt hat das Wetter noch mitgespielt. Ich war noch nie zu später Jahreszeit dort oben. Da beginnt ja bald die Skisaison!
Wie kam es nach dem Tod Ihres Vaters und dem daraus folgenden Startverzicht für den WM-Marathon zur Entscheidung, in Chicago Marathon zu laufen?
Irina Mikitenko: Ich hatte kurz vor der WM wieder angefangen richtig zu trainieren und habe zunächst ohne Druck geschaut, wie ich in Form komme. Dann bin ich am 30. August ins Höhentraining nach St. Moritz gefahren. Es lief dort von Woche zu Woche besser und deswegen reifte der Entschluss, in diesem Jahr noch ein großes Rennen zu laufen. Ich wollte einfach den Anschluss wieder herstellen. Wettkampfgeist und Motivation gehen schnell verloren, es ist schwer nach einer Pause wieder anzufangen. Und je länger man wartet, desto schwerer wird es. Es war nach dem Tod meines Vaters und der Trainingspause psychisch nicht leicht, wieder zu beginnen. Wir haben dann lange überlegt ob ich in Chicago starten soll oder nicht, denn es ist eine ganz schöne Herausforderung. Es ist ein großer Marathon mit starker Konkurrenz, bei dem sicher schnell gelaufen wird.
Wie ist Ihre Form, können Sie Trainingsleistungen vergleichen mit denen vor ihrem Start beim Berlin-Marathon 2008, als sie mit 2:19:19 Stunden einen deutschen Rekord aufstellten?
Irina Mikitenko: Ich konnte insgesamt in St. Moritz gut trainieren und die Form ist in Ordnung. Auch wenn verglichen zu anderen Marathon-Vorbereitungen etwas Zeit fehlte, hoffe ich, dass es ausreicht. Vergleiche sind allerdings nicht möglich, da der Trainingsaufbau aufgrund der kürzeren Vorbereitungszeit ganz anders aussah.
Wie lang war Ihr längster Trainingslauf jetzt verglichen zu früher und wie viele Kilometer sind Sie maximal pro Woche gelaufen?
Irina Mikitenko: Ich bin jetzt maximal 32 Kilometer am Stück gelaufen, früher waren es auch schon einige Male 35. Eine kürzere Zeit bin ich auch jetzt 200 Kilometer pro Woche gelaufen, so wie früher. Im Gegensatz zu meinen bisherigen Vorbereitungen habe ich dann jedoch in der letzten Phase wieder mehr Wert auf Qualität gelegt. Das heißt, ich bin schneller gelaufen, dafür aber nicht ganz so viele Kilometerumfänge. So waren es dann nur noch 180 km pro Woche.
Was ist Ihr Ziel in Chicago?
Irina Mikitenko: Es ist schwer vorherzusagen, was möglich ist. Aber wenn ich am Start eines großen Rennens stehe, möchte ich immer gewinnen und gebe alles, um das zu schaffen. Es sind einige sehr starke Läuferinnen am Start. Ich kann aber nicht so sehr nach den anderen schauen sondern muss mich auf mich selbst konzentrieren.
Wen schätzen Sie am stärksten ein?
Irina Mikitenko: Ich erwarte, dass die Russinnen sehr stark sein werden. Besonders gilt dies glaube ich für Liliya Shobukhova, die bereits in London im April im Rennen war und bei ihrem Debüt gleich Dritte wurde. Sie hat damals bei ihrem ersten Marathon sicherlich noch nicht ihr volles Leistungsvermögen zeigen können. Rechnen muss ich auch mit Teyba Erkesso, wobei die Äthiopierinnen immer schwer einzuschätzen sind. Und dann ist da auch noch die US-Rekordlerin Deena Kastor, deren Bestzeit von 2:19:36 nur unwesentlich langsamer ist als meine eigene. Für sie ist es natürlich eine Art Heimspiel.
Egal was passiert, die WMM-Serie 2008-2009 haben Sie praktisch schon gewonnen.
Irina Mikitenko: In der Serie gibt es noch zwei Rennen in diesem Jahr. Für mich steht jetzt erst mal der Lauf in Chicago an erster Stelle, um alles andere kümmere ich mich vorher nicht. Danach schaue ich dann auf die Punktewertung.
Sabrina Mockenhaupt erklärte in einem Interview mit ,Leichtathletik’, dass sie zukünftig bei internationalen Saisonhöhepunkten nicht mehr im Marathon an den Start gehen wird – wie sieht es bei Ihnen aus?
Irina Mikitenko: Der olympische Marathon 2012 in London bleibt ein ganz großes Ziel. Bei Olympia über die klassische Distanz zu laufen, ist etwas einmaliges. Auf den Marathon bei den Weltmeisterschaften in Daegu 2011 würde ich angesichts der extremen Hitze und Feuchtigkeit eher verzichten. Und auch ein Marathon-Start bei der EM im nächsten Jahr wird kein Thema sein. Denkbar ist aber, dass ich in Barcelona über 10.000 Meter antrete.
Text: race-news-service.com
Falk Cierpinski läuft bei Asics Grand 10 in Berlin

Falk Cierpinski (rechts) mit seinem Vater Waldemar und dem Race-Direktor der Asics Grand 10, Gerhard Janetzky, vor dem Elefantentor des Berliner Zoos, durch das die Läufer am Sonntag rennen.
Foto: Berlin läuft / J. Engler
[08.10.2009] Mit der Rekordzahl von rund 6.500 Teilnehmern wird am Sonntag die zweite Auflage der Asics Grand 10 Berlin gestartet. Die Topathleten peilen bei dem 10-km-Lauf, dessen Strecke unter anderem durch den Zoo führt, Kursrekorde an.
Als Favorit geht bei den Männern Faustin Musa ins Rennen. Der 28-jährige Läufer aus Tansania erzielte seine 10-km-Bestzeit in diesem Jahr beim Kö-Lauf in Düsseldorf mit 28:22 Minuten. Der Berliner Streckenrekord steht bei 28:44 und wird gehalten vom Kenianer Simon Kasimili. Die internationalen Konkurrenten von Faustin Musa kommen in erster Linie aus Osteuropa. Am Start sein werden die beiden Tschechen Robert Stefko, dessen starke 10.000-m-Bestleistung von 27:42,98 Minuten allerdings schon zwölf Jahre zurückliegt, und Jan Kreisinger (Bestzeit: 28:46).
Doch auch deutsche Läufer können zumindest gute Platzierungen erreichen. Falk Cierpinski, der Sohn des zweifachen Marathon-Olympiasiegers Waldemar Cierpinski, wird auf zwei deutsche Konkurrenten treffen, deren Stärke kürzere Distanzen sind. Der 31-jährige Marathon-Spezialist, der sich im vergangenen Jahr beim Berlin-Marathon auf 2:13:30 Stunden verbessert hatte, wird erstmals seit seinem WM-Marathon-Start in der deutschen Hauptstadt im August wieder an den Start gehen. Bei dem heißen WM-Rennen lief es nicht für Cierpinski, der als 50. ins Ziel kam.
Während Falk Cierpinskis 10-km-Bestzeit bisher bei 29:14 Minuten steht, darf man gespannt sein, wie sich bei seinem Debüt über die 10-km-Distanz Steffen Uliczka (SG TSV Kronshagen-Kieler TB) schlagen wird. Er ist der Deutsche Hindernismeister des Jahres 2008. Mittelstrecken-Spezialist Wolfram Müller (LG Asics Pirna) wird einen ,Ausflug’ auf die 10-km-Strecke unternehmen. Der 28-Jährige lief in diesem Jahr eine glänzende Hallensaison und wurde bei den Europameisterschaften im März im 1.500-m-Finale Vierter. Eine Verletzung stoppte ihn dann, so dass er nicht mehr rechtzeitig vor der WM in Berlin in Form kam und die Qualifikation verpasste. Für die deutschen Topläufer ist die deutsche Jahresbestzeit ein Ziel. Diese hält Arne Gabius (LAV Asics Tübingen) zurzeit mit 29:16 Minuten.
Bei den Frauen gibt es eine große Favoritin: Die 30-jährige Kenianerin Joan Aiyabei reist mit einer 10-km-Bestzeit von 31:59 Minuten nach Berlin. Den aktuellen Streckenrekord hält Ulrike Maisch (LAV Rostock). Sie gewann die Asics Grand 10 Berlin im vergangenen Jahr in 34:53 Minuten.
Text: race-news-service.com
Chicago-Marathon mit Sammy Wanjiru und Irina Mikitenko

Heißen die Sieger auch in Chicago wieder Irina Mikitenko und Sammy Wanjiru? Im April gewannen die beiden in London.
Foto: photorun.net
[07.10.2009] Sammy Wanjiru und Irina Mikitenko hatten im April den hochkarätigsten City-Marathon des Jahres gewonnen. Nach ihrem Triumph in London stehen nun beide am Sonntag in Chicago am Start. Und es wäre keine Überraschung, wenn der kenianische Olympiasieger und die deutsche Rekordhalterin auch bei diesem Rennen, das neben Boston, London, Berlin und New York zu den World Marathon Majors (WMM) gehört, als Erste ins Ziel kämen. Doch die Konkurrenz beim Bank of America Chicago-Marathon ist hochklassig. Ein Sieg allerdings ist beiden nur noch theoretisch zu nehmen: In der WMM-Serie 2008-2009 führen Sammy Wanjiru und Irina Mikitenko praktisch uneinholbar. Mit rund 45.000 gemeldeten Läufern gehört das Rennen in Chicago zu den größten Marathonläufen der Welt.
Olympiasieger Sammy Wanjiru hatte ursprünglich beim Berlin-Marathon im September starten wollen, um auf der superschnellen Strecke den Weltrekord von Haile Gebrselassie (Äthiopien/2:03:59) anzugreifen. Doch dazu kam es nicht. In Chicago wird der erst 22-jährige Wanjiru allerdings ebenfalls auf einem sehr schnellen Kurs laufen, auf dem in der Vergangenheit schon mehrmals Weltrekorde aufgestellt wurden. „Ich hoffe auf eine Zeit im Bereich von 2:04 oder 2:05 Stunden“ sagte Sammy Wanjiru gegenüber der kenianischen Zeitung ,Daily Nation’.
Zu den schärfsten Konkurrenten des Halbmarathon-Weltrekordlers Wanjiru (58:33 Minuten) zählen zwei Landsleute und ein Marokkaner. Evans Cheruiyot (Kenia) geht als Titelverteidiger an den Start. Der 27-Jährige hatte 2008 bei sehr warmem Wetter in hochklassigen 2:06:25 Stunden mit über einer Minute Vorsprung gewonnen. Sein Landsmann Vincent Kipruto ist der Sieger des Paris-Marathons in diesem Jahr. Er triumphierte dort im April mit einer Kursrekordzeit von 2:05:47. Noch etwas schneller ist die Bestzeit von Abderrahim Goumri. Der Marokkaner lief in London 2008 als Dritter 2:05:30 Stunden. Goumri wartet weiter auf seinen ersten großen Marathonsieg, nachdem er zweimal in New York (2007 und 2008) sowie einmal in London (2007) zweite Ränge belegt hat.
Noch nie gab es beim Chicago-Marathon einen deutschen Sieg. Das will Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) am Sonntag bei der 32. Auflage des Rennens ändern. Die 37-Jährige, die in Berlin 2008 mit 2:19:19 Stunden die 2:20-Barriere durchbrach und zur viertschnellsten Läuferin aller Zeiten wurde, hat drei ihrer vier Marathonrennen gewonnen. Nach ihrem zweiten Platz beim Debüt 2007 in Berlin siegte sie zweimal in London (2008 und 2009) sowie vor einem Jahr in der deutschen Hauptstadt. Ein kleines Fragezeichen steht allerdings hinter der Form von Irina Mikitenko, die mit ihrer Londoner Siegzeit von 2:22:11 auch die Jahresweltbestenliste anführt. Denn durch den Tod ihres Vaters im Sommer hatte sie einen ungewohnten und etwas kürzeren Trainingsaufbau.
Zu den Konkurrentinnen von Irina Mikitenko zählt eine Läuferin, deren Bestzeit lediglich 17 Sekunden langsamer ist als die der Deutschen: Es ist die US-Rekordlerin Deena Kastor (2:19:36), die beim olympischen Marathon 2004 eine Bronzemedaille gewann und in Chicago bereits vor vier Jahren siegte. Nach einem im olympischen Marathon 2008 erlittenen Ermüdungsbruch läuft Deena Kastor am Sonntag erstmals wieder ein Rennen über die klassische Distanz. Zu beachten sein werden auch die Titelverteidigerin Lidiya Grigoryeva (Russland/Bestzeit: 2:25:10), Teyba Erkesso (Äthiopien/2:24:18), Mizuho Nasukawa (Japan/2:25:38) und die Russin Liliya Shobukhova. Sie lief beim London-Marathon im April ein ausgezeichnetes Debüt in 2:24:24 Stunden und belegte damit Rang drei.
Text: race-news-service.com
Kenianer siegen in Lissabon, Keflezighi gewinnt in San Jose

Meb Keflezighi gewann in San Jose
Foto: photorun.net
[05.10.2009] Einen Doppelsieg für Kenia gab es am Sonntag beim Portugal-Halbmarathon. In der Hauptstadt Lissabon setzten sich Silas Sang in 60:20 und seine Landsfrau Helena Kirop in 70:26 Minuten durch. Währenddessen gewann US-Marathonläufer Meb Keflezighi den Rock ’n’ Roll-Halbmarathon in San Jose in 61:00 Minuten.
Bei den Männern trafen in Lissabon die Sieger der vergangenen beiden Jahre aufeinander: Silas Sang ging als Titelverteidiger an den Start, Emmanuel Mutai (Kenia) hatte 2007 gewonnen. Beide lieferten sich ein packendes Duell, nachdem sie sechs Kilometer vor dem Ziel Nicholas Kiprono (Uganda) hinter sich gelassen hatten. Dabei blieb das Tempo hoch, so dass der Streckenrekord fiel. Der 31-jährige Silas Sang hatte sich auf dem letzten Kilometer etwas abgesetzt und gewann dann mit 19 Sekunden Vorsprung vor Emmanuel Mutai, der sechs Wochen zuvor in Berlin Vize-Weltmeister im Marathon geworden war. Rang drei belegte Nicholas Kiprono mit 61:01. Als Vierter blieb auch Dickson Marwa (Tansania) noch klar unter der 62-Minuten-Marke (61:18).
Beim Frauenrennen sah es lange nach einem kenianischen Dreifach-Erfolg aus, denn an der Spitze bestimmten Helena Kirop, Florence Chepsoi und Magdaline Chemjor das Geschehen. Die 33-jährige Kirop war die einzige, die das Tempo bis ins Ziel halten konnte. Während ihre beiden Landsfrauen zu schnell angelaufen waren und zurück fielen, erreichte sie das Ziel in 70:26 Minuten. Kirop ist eine erfahrene Marathonläuferin, die im vergangenen Jahr in Berlin in 2:25:01 Stunden Rang drei belegt hatte. Auf Rang zwei schob sich in Lissabon Dulce Felix (Portugal) in 70:44 Minuten, Dritte wurde deren Landsfrau Marisa Barros mit 71:07. Als Vierte erreichte Magdaline Chemjor (71:55) mit deutlichem Abstand das Ziel. Rund 15.000 Läufer gingen bei der 10. Auflage des Rennens an den Start.
Beim Rock ’n’ Roll-Halbmarathon in San Jose gab es für Meb Keflezighi eine gelungene Generalprobe für seinen Start beim New York-Marathon am 1. November. Der 35-jährige US-Amerikaner, der 2004 in Athen sensationell eine olympische Silbermedaille im Marathon gewonnen hatte, gewann mit einer persönlichen Bestzeit von 61:00 Minuten deutlich vor Bolota Asmerom (Eritrea/63:06). Damit verbesserte er seinen Hausrekord um 25 Sekunden. Zudem brach er ,im Vorbeilaufen’ den 20-km-US-Rekord mit einer Zeit von 57:52. Damit war er zwei Sekunden schneller als Ryan Hall 2006. Schnellste Frau war die Äthiopierin Belainesh Gebre, die in 71:24 Minuten vor Magdalena Lewy-Boulet (USA/71:46) gewann.
Text: race-news-service.com
Ruto bricht Kursrekord, Mockenhaupt siegt in Köln

Sabrina Mockenhaupt auf dem Weg zum Sieg: Zum zweiten Mal gewann sie den Köln-Marathon.
Foto: photorun.net/Wilfried Raatz
[04.10.2009] Wunschergebnisse brachte die 13. Auflage des Köln-Marathons: Aus einem Pulk von rund 30 kenianischen Läufern blieben Sieger Evans Ruto sowie der mit 2:08:36 Stunden zeitgleiche zweitplatzierte Samson Bungei und Aadam Khamis (Bahrain/2:09:09) unter dem Streckenrekord von Sammy Kurgat (2008/2:10:03). Sabrina Mockenhaupt gewann nach 2007 ihren zweiten Köln-Marathon für ihren Klub, den Kölner Verein für Marathon. Auch wenn die Beine schmerzten, im Überschwang ihres Erfolges ließ sich „Mocki“ sehr zu Freude des Publikums und der Fotografen mit dem Marathon-Rennleiter Harald Rösch zu einem Tänzchen hinreißen. „So etwas geht eben nur in Köln!“
Während die besten Männer noch mit internationalen Hits begrüßt wurden, schwenkte die Tonregie nach knapp zweieinhalb Stunden zu Kölscher Karnevalsmusik um, denn erwartet wurde die in Köln bestens eingeführte Sabrina Mockenhaupt. Und dann kam sie, freilich nicht ganz so schnell, wie rundum erwartet wurde, aber dennoch mit hoch erhobenen Armen: nach 2:30:12 Stunden war sie im Ziel. „Es war sehr anstrengend“, so ihr erster Kommentar im Ziel. „Ich wäre gerne unter 2:30 gelaufen, aber dennoch ist dies für mich ein schöner Saisonabschluss.“ Bei ihrer bravourösen Aufholjagd im WM-Marathonlauf war sie mit 2:30:07 gerade einmal fünf Sekunden schneller unterwegs als bei ihrer Zugabe auf Kölner Boden. Die kleine Siegerländerin konnte einem fast leid tun, so wurde sie noch tief atmend im Ziel hin und her geschubst. „Eigentlich hatte ich nach 10 Kilometern keinen Bock mehr“, gestand sie, „aber es half ja nichts, ich musste da durch.“ Und sie kam durch, auch wenn nach ihrem Empfinden der Anstieg der Deutzer Rheinbrücke plötzlich einem Berg gleichkam. „Ich war nach der WM in Berlin so euphorisiert, dass ich mich entschieden habe, in Köln noch einen Marathonlauf draufzusetzen. Ich habe aber heute schon nach 15 Kilometern den Streckenrekord abgehakt. Immer gegen den Wind laufen zu müssen, das war schon hart.“ Den Kursrekord hält übrigens seit 1997 die Kenianerin Angelina Kanana mit 2:27:27 Stunden.
„Mocki“ hatte die Lacher natürlich wieder auf ihrer Seite, als sie ein Fazit ganz im Stile der Sabrina Mockenhaupt zog: „Auch wenn ich gerne unter 2:30 gelaufen wäre, das Leben geht weiter! Ich bin froh, dass ich jetzt erst einmal Pause habe. Aber eigentlich war es ein schönes Wochenende – und ich darf heute endlich einmal ein Kölsch trinken!“
Acht Minuten dauerte es, bis die zweitplatzierte Rose Nyangacha (Kenia/2:38:07) ins Ziel einlief, gefolgt von einer weiteren Kenianerin, Prisca Kiprono (2:46:21). Vierte wurde die Kölnerin Ira Korsten (2:50:45).
Während es bei den Frauen klare Verhältnisse gab, sprinteten die beiden Kenianer Evans Ruto und Samson Bungei gemeinsam ins Ziel. Bei Zeitgleichzeit von 2:08:36 war im Fotofinish Evans der Glücklichere. Ähnlich wie bei seinem Sieg in Hannover war er der Mann der letzten beiden Kilometer, der im Ziel die Nase knapp voraus hatte. „Ich habe am Morgen aus dem Fenster geschaut und gesagt, ja, das gibt eine neue Bestzeit“, sagte der 25-Jährige, der aus der Nähe von Eldoret stammt. Und diese stand seit seinem Frühjahrsauftakt in Niedersachsens Hauptstadt bei 2:10:47 Stunden. Seine Steigerung um gut zwei Minuten erklärte der Schützling von Walter Abmayr mit dem forschen Auftreten seiner Landsleute. „Ich hatte gut trainiert mit meinen Kollegen in Iten und war bereit für eine Bestzeit. Allerdings war es nach der Halbmarathonmarke nicht einfach, da alle Kenianer versuchten, das Tempo noch zu halten.“
„Wir sind schlichtweg happy“, sagte Renndirektor Harald Rösch. „Nach so vielen Anläufen ist es uns nun gelungen, die 2:10 zu knacken. Aber richtig froh kann ich erst dann sein, wenn zum Zielschluss alle gesund angekommen sind.“ Überraschend kam für den Rennleiter der große Schwund zwischen den Anmeldezahlen und den tatsächlich gestarteten Läufern. 32.051 Läufer, darunter auch 5.000 Teilnehmer der integrierten Sparkassen-Meisterschaften, standen in den Startlisten, über die Messmatten liefen schlussendlich am Sonntagmorgen nur rund 23.000 Starter. „So viele können sich doch in der Nacht nicht mehr umentschieden haben“, wunderte sich nicht nur Harald Rösch.
Beim mit 14.000 Anmeldungen bestückten Halbmarathon setzte sich der Pole Maciek Miereczko in 1:07:11 Stunden vor dem 20-jährigen Dominik Fabianowski (LAZ Puma Troisdorf-Siegburg/1:08:57) durch, bei den Frauen triumphierte Julia Viellehner (LG Passau) in 1:14:34 Stunden. Das ist die fünftbeste Zeit, die in Deutschland in diesem Jahr erzielt wurde.
Text: race-news-service.com
Sabrina Mockenhaupt im Mittelpunkt in Köln

Im Rampenlicht soll Sabrina Mockenhaupt auch am Sonntag beim Köln-Marathon stehen.
Foto: photorun.net
[02.10.2009] Vieles wird sich beim Köln-Marathon am Sonntag um Sabrina Mockenhaupt drehen. Nur sechs Wochen nach dem Weltmeisterschafts-Marathon in Berlin startet die 28-Jährige erneut über die klassische Distanz. 10.300 Marathonläufer haben für das Rennen gemeldet. Die größte Beteiligung gibt es jedoch einmal mehr über die Halbmarathondistanz. Hier verzeichneten die Veranstalter rund 15.000 Anmeldungen. Weitere Wettbewerbe hinzugerechnet, darunter auch Inline Skater, gibt es beim Köln-Marathon einen Teilnehmerrekord mit über 32.000 Athleten.
Sabrina Mockenhaupt (Kölner Verein für Marathon) hatte sich vor kurzem überraschend für einen Marathonstart in Köln entschieden. Bei der WM im August war sie bei warmem Wetter als beste Deutsche auf Platz 17 in 2:30:07 Stunden gelaufen. Dass es ein Risiko ist nur sechs Wochen später erneut Marathon zu laufen, weiß die 28-Jährige, doch sie ist optimistisch. In einem Interview mit der Fachzeitschrift ,Leichtathletik’ erklärte sie, dass sie sich nach dem WM-Marathon sehr gut erholt habe. „Ich laufe in Köln, weil ich nach dem WM-Marathon gedacht habe: das kann doch noch nicht alles in diesem Jahr gewesen sein“, sagte Sabrina Mockenhaupt, die in ,Leichtathletik’ auch ankündigte, nicht mehr Marathon bei großen Meisterschaften zu laufen.
Am Sonntag hofft Sabrina Mockenhaupt sogar, den Kölner Streckenrekord von 2:27:27 Stunden brechen zu können. Große Konkurrenz muss die 28-Jährige, die im vergangenen Jahr den Frankfurt-Marathon in persönlicher Bestzeit von 2:26:22 Stunden gewonnen hatte, bei ihrem Heimrennen nicht fürchten. Nach einer Babypause will sich Rose Nyangacha zurückmelden. Die 32-jährige Kenianerin war 2007 Zweite in Hamburg in 2:29:22, ihren letzten Wettkampf bestritt sie im Dezember 2007. Beim Singapur-Marathon wurde Rose Nyangacha dabei Siebente in 2:45:51.
Bei den Männern gaben die Veranstalter die Verpflichtung von drei Kenianern bekannt: Schnellster im Feld ist demnach der 31-jährige Thomas Chemitei, der 2005 in Eindhoven 2:09:21 gelaufen war. 2008 war er in Köln Dritter in 2:11:20, in diesem Jahr musste er sich bisher mit 2:16:31 (Sechster in Turin) zufrieden geben. Fast identische Bestzeiten weisen Samson Bungei und Albert Matebor auf. Der 27-jährige Bungei gewann in diesem Jahr in Essen in 2:09:23, der ein Jahr ältere Matebor war vor zwei Jahren Fünfter beim Frankfurt-Marathon mit 2:09:33. In diesem Frühjahr belegte er Rang zehn in Rom in 2:11:33.
Deutsch
English

















