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Herz-Kreislauf-Sterblichkeit und Strategien zur Prävention: Große Unterschiede im europäischen Ländervergleich - EuroHeart-Projekt als Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse - Deutsche Herzstiftung e.V.


„Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Europa“
© Deutsche Herzstiftung

[23.03.2010] - Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind europaweit nach wie vor die Todesursache Nummer eins, obwohl in den meisten Ländern die Sterblichkeitsraten bei diesen Krankheiten zurückgehen. Darauf verweist der aktuelle Bericht „Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Europa“ des von der Europäischen Kommission geförderten EuroHeart-Projekts.

Die Deutsche Herzstiftung ist an diesem dreijährigen Projekt des European Heart Network und der European Society of Cardiology beteiligt. Ein Teilprojekt hatte das Ziel, in 16 europäischen Ländern – durch Datenerhebung mittels Fragebogen – vergleichbare Informationen zu Präventionsstrategien auf nationaler Ebene zu erhalten. Der Ländervergleich zeigt, dass es nicht nur bei den Sterblichkeitsraten, sondern auch bei den Maßnahmen zur Vorsorge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen große Unterschiede zwischen einzelnen Staaten gibt.

So ist die Sterbeziffer bei der Koronaren Herzkrankheit (KHK) in der Altersgruppe unter 65 Jahren bei Männern in Ungarn (mit 105 pro 100 000 Einwohner) mehr als sechsmal höher als in Frankreich (17 pro 100 000), bei Frauen in Ungarn sogar mehr als neunmal höher als in Frankreich. In Deutschland liegt sie für Männer bei 33, für Frauen bei 8 pro 100 000. Zudem gibt es sehr unterschiedliche Trends: Während die Sterblichkeitsrate bei der KHK in Finnland von 1972 bis 2005 um 76 Prozent sank, ist diese Rate in Griechenland im gleichen Zeitraum um 11 Prozent gestiegen.

Zwar konnten im Hinblick auf gesundheitspolitische Maßnahmen alle Länder hauptverantwortliche Regierungsinstitutionen und weitere Organisationen auf nationaler Ebene benennen, die sich mit der Förderung von Herz-Kreislauf-Gesundheit und der Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten befassen. Zwischen den einzelnen Ländern existieren diesbezüglich jedoch große Unterschiede, was nationale Gesetze und Rechtsvorschriften, Richtlinien, Strategien, Programme oder Leitlinien betrifft. So gibt es zum Beispiel nur in drei Ländern (Deutschland, Frankreich und Irland) Empfehlungen zur Herz-Lungen-Wiederbelebung, während alle untersuchten Länder außer Deutschland und Griechenland nationale KHK-Richtlinien haben.

Auch für weitere Bereiche wie Public Health gibt es in Deutschland keine nationalen Richtlinien. Dieses vermeintlich „schlechte“ Ergebnis im internationalen Vergleich hängt jedoch auch damit zusammen, dass zahlreiche gesundheitspolitische Maßnahmen hierzulande in den Zuständigkeitsbereich der Bundesländer fallen und damit bei der Datenerhebung nicht berücksichtigt wurden.

Nationale Programme zur Herz-Kreislauf-Gesundheit haben alle 16 untersuchten Staaten. Am häufigsten kommen diese (z.B. Bildungsprogramme zur positiven Beeinflussung des individuellen Gesundheitsverhaltens) in den Bereichen Public Health, Koronare Herzkrankheit, Tabak, Lebensmittel und körperliche Bewegung vor. „Dass sich gesetzgeberische Vorsorgemaßnahmen positiv auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit auswirken können, zeigt sich insbesondere beim Tabakkonsum“, sagt Prof. Dr. med. Helmut Gohlke, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung. „So belegen mehrere wissenschaftliche Untersuchungen, dass es in Ländern und Regionen mit strengen gesetzlichen Regelungen für einen Nichtraucherschutz in der Öffentlichkeit bereits nach einem Jahr zu einem drastischen Rückgang von Herzinfarkten vorwiegend bei Nichtrauchern kam.“

Die zahlreichen durch das EuroHeart-Projekt gelieferten Daten und Informationen zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen können den jeweiligen Ländern den Vergleich eigener Aktivitäten mit denen anderer Länder erlauben. Dennoch besteht dem Bericht zufolge ein großer Bedarf für weitere Kooperation und Datenerfassung auf europäischer Ebene, um die Effektivität der verschiedenen Maßnahmen besser bewerten zu können.

Interessierte finden den Bericht „Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Europa“ des EuroHeart-Projekts als PDF-Dokument auf www.herzstiftung.de.

Deutsche Herzstiftung e.V.
Dr. Klaus Fleck / Pierre König
Tel. 069/95 51 28-140
Fax: 069/95 51 28-345
koenig@herzstiftung.de
www.herzstiftung.de

Der Bericht ist Bestandteil des Arbeitspakets 5 des EuroHeart-Projekts und wurde von der Europäischen Union im Rahmen des Gesundheitsprogramms teilfinanziert. Die Exekutivagentur für Gesundheit und Verbraucher ist für die Nutzung der in diesem Bericht gemachten Angaben nicht verantwortlich. Die alleinige Verantwortung obliegt den jeweiligen Personen/Organisationen.

 

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Selten erkennbar - häufig vorhanden - Blut im Stuhl nach Langstreckenläufen - Dr. med. Dieter Kleinmann in RUNNING


Kleinmann, D.: LAUFNEBENWIRKUNGEN, vom Ermüdungsbruch zum plötzlichen Herztod. Was können Sie dagegen tun?
© Deutscher Ärzte-Verlag Köln, 2. Auflage 2009

[08.03.2010] - Beim Jubiläumslauf 1996 aus Anlass des 100. Boston-Marathons waren nicht nur 40.000 Läufer zugelassen, sondern es gab auch eine beachtliche Siegprämie von $ 100.000,- zu gewinnen. Der in den hinteren Reihen laufende und fotografierende Autor dieses Artikels hat die Dramatik an der Spitze der Frauen nicht mitbekommen, sondern später lediglich die Bilder in der Presse gesehen, die Uta Pippig aus Berlin zeigten, wo am Bein herunterlaufendes Blut zu erkennen war.

Wie den Presseberichten zu entnehmen war, hatte sie wenige Kilometer vor dem Ziel bemerkt, dass die in Führung liegende Kenianerin Tegla Loroupe langsamer wurde. Trotz Bauchbeschwerden mit blutigem Durchfall kämpfte sie sich an die Führende heran und überholte sie noch kurz vor dem Ziel. $ 100.000,- Siegprämie, doch anschließend einige Tage Krankenhausaufenthalt!

In der Regel kommt ein massiver, sichtbarer Blutverlust im Stuhl bei Langstreckenläufern nur sehr selten vor. In der wissenschaftlichen Literatur sind daher lediglich Einzelfälle beschrieben. Die persönliche Belastbarkeitsgrenze scheint in solchen Fällen bei extremer Motivation überschritten zu sein. Häufiger sind weniger dramatische Probleme im Darmbereich auch im Breitensport. Je nach Art und Lokalisation der Beschwerden scheinen die Intensität (Tempo) und die Dauer der Laufbelastung eine Rolle zu spielen. Auch scheinen jüngere Läufer häufiger Probleme zu haben als ältere.

Ergebnisse

Keeffe und Mitarbeiter werteten 707 Fragebögen von Marathonläufern aus. 1,2 % gaben bei langsamem Lauf, 1,8 % bei Tempolauf und 2,4 % nach dem Lauf zumindest gelegentlich Blut im Stuhl an. In einer eigenen Untersuchung hatten 27,3 % nach einem Marathon mit einer Endzeit von unter 3 Stunden mit dem Auge nicht sichtbar Blut im Stuhl (Hämoccult-Test), bei den Läufern über 3 Stunden waren es 34 %.

In der Regel ist der Blutverlust über den Stuhl von den Läufern nicht erkennbar. Wird allerdings der in der Krebsvorsorge übliche Hämoccult-Test angewendet, so lässt sich nach Literaturangaben in 8 bis 37 % nach dem Lauf Blut im Stuhl nachweisen. Wird der empfindlichere Hämoquant- Test benutzt, so hatten 83 % der Laufteilnehmer Blut im Stuhl. Robertson und Mitarbeiter stellten nach einem Marathonlauf eine Hämoglobin-Ausscheidung von 0,42 mg/g Stuhl fest, nach Schmerzmitteleinnahme 0,87 mg/g Stuhl.

Ursachen

Was ist nun der Grund von Darmblutungen, die nicht nur nach Marathon- und Tempoläufen auftreten? Bei den Fällen, die frühzeitig zur Darmspiegelung kamen, wurden beispielsweise eine erosive Gastritis sowie lokale punktförmige oder auch fleckige allgemeine Schleimhauteinblutungen im gesamten Dickdarm im Sinne einer „ischämischen Colitis“ gefunden. Die Ursache der Darmblutungen ist unterschiedlich. Diskutiert wird in erster Linie eine um bis zu 80% verminderte Darmdurchblutung unter extremer körperlicher Belastung.

Doch warum sieht man nur in seltenen Fällen massive Darmblutungen und mehr oder weniger häufig im Hämoccult-Test verstecktes Blut im Stuhl?

Auch die unterschiedlichen Lokalisationen der Blutungsquelle im Darm deuten auf eine multifaktorielle Ursache hin. Dafür spricht auch eine Untersuchung von Baska und Mitarbeitern, die bei einem 100 Meilenrennen 9 von 25 Läufern 800 mg des Magensäureblockers Cimetidin 1 Stunde vor dem Start und nach 50 Meilen gaben. Die 16 anderen Läufer dienten als Kontrolle. Bei allen wurden vor und unmittelbar nach dem Rennen drei Stuhlproben mit dem Hämoccult-Test untersucht. Vor dem Lauf waren alle Testpersonen Hämoccult-negativ, hinterher nur einer der 9 (11%) unter Cimetidin, aber 14 der 16 Kontrollpersonen (87,5 %) Hämoccult-positiv.

Auch Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen waren bei den Läufern mit dem magensäurehemmenden Medikament seltener. Hinsichtlich der Laufleistung ergaben sich keine Unterschiede. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass der Blutverlust vorwiegend im oberen Magendarmtrakt und nicht wie vielfach angenommen, im Dickdarm erfolgt, da der Histaminrezeptorenblocker Cimetidin auf die Salzsäurebildung in der Magenschleimhaut hemmend wirkt und nicht die Sauerstoffversorgung der Darmschleimhaut beeinflusst.

Mechanische Verletzungen

Eine weitere denkbare Ursache könnten mechanisch bedingte Schleimhautverletzungen sein, die durch das Reiben einer nicht fixierten an einer fixierten Darmwand zum Beispiel im Blinddarm-Bereich entstehen könnte. So hat beispielsweise Porter berechnet, dass durch die Kontraktion des Psoas-Muskels die hintere Blinddarmwand während eines Marathonlaufes ca. 20.000mal gegen die vordere gepresst wird. Ein trainingsbedingt besonders kräftiger Psoas-Muskel wurde auch als eine Ursache von Durchfällen während des Laufens beschrieben.

Weitere Möglichkeiten für eine Darmschleimhautschädigung sind durch reibende feste Stuhlbestandteile bei leicht verletzbarer Schleimhaut auf Grund verminderter Durchblutung während des Laufens und thermische Einflüsse bei Körpertemperaturen bis zu 41 °C bei Marathonläufern denkbar.

Bei Dehydrierung

Diese mechanischen und thermischen Einflüsse bei gleichzeitig gedrosselter Darmdurchblutung während der Laufbelastung könnten sich besonders gravierend auswirken, wenn gleichzeitig ein erheblicher Flüssigkeitsverlust eintritt. So ist es doch bemerkenswert, dass Magendarmprobleme besonders dann auftreten, wenn eine bestimmte Strecke so schnell wie möglich zurückgelegt wird, die Schweißverluste also hoch sind und zu wenig Zeit für eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme besteht, so dass die Darmdurchblutung durch den ausgeprägten und nicht ersetzten Flüssigkeitsverlust noch weiter gedrosselt wird. Allerdings scheint die Darmdurchblutung bei Trainierten weniger herabgesetzt zu sein als bei Untrainierten, wie eine Untersuchung ergab.

Vorsicht ist geboten

Neben harmlosen Gründen für eine Blutbeimengung im Stuhl wie Hämorrhoidalleiden muss auch an Polypen und bösartigen Tumoren gedacht werden:

Ein 56-jähriger Läufer suchte uns auf, nachdem er nach einem Marathon Blut im Stuhl gesehen hatte. Wegen Knieschmerzen hatte er tags zuvor wie auch am Wettkampftag Diclofenac eingenommen. Dies habe auch gut gewirkt. Stuhlproben im Rahmen einer Krebsvorsorge neun Monate zuvor enthielten kein Blut. Wir führten zunächst eine Enddarmspiegelung durch. Abgesehen von mäßiggradigen Hämorrhoiden war in 20 cm Tiefe eine krebsverdächtige, leicht blutende polypöse Veränderung zu erkennen. Es wurde eine sofortige Krankenhauseinweisung veranlasst.

Mit dem Operationsbericht erhielten wir ein Foto, des im Gesunden entfernten Darmabschnitts mit der auch histologisch gesicherten Krebswucherung. 13 Jahre nach der Operation ist der Patient von Seiten des Krebses beschwerdefrei und läuft weiterhin. Möglicherweise hatte die Einnahme von Diclofenac zu der sichtbaren Blutung des Tumors und zum rechtzeitigen Arztbesuch geführt.

Dr. Dieter Kleinmann in RUNNING 10/2009

Internist/Sportmedizin
Frisonistr. 7
70736 Fellbach
Tel.: 0711 514542
Fax : 0711 1612204
E-Mail: dr.kleinmann@vr-web.de

(Wissenschaftliches Literaturverzeichnis dazu in Kleinmann, D.: LAUFNEBENWIRKUNGEN, vom Ermüdungsbruch zum plötzlichen Herztod. Was können Sie dagegen tun? Deutscher Ärzte-Verlag Köln, 2. Auflage 2009)

 

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