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"Wenn das Laufen auf die Knochen geht ..." Dr. med. Ralph Schomaker vom Zentrum für Sportmedizin beim „10. Münsteraner Dialog: Sportverletzt – was jetzt?“


Dr. med. Ralph Schomaker vom Zentrum für Sportmedizin beim „10. Münsteraner Dialog
© Münster-Marathon Organisation

[21.12.2009] - "Viele Läufer haben in Ihrem Läuferleben einen Überlastungsbruch erlitten und wissen dies vielfach nicht! Die Leidensgeschichte ist immer die Selbe: Hartnäckige Schmerzen der Schienbeinkante, des Mittelfußes oder der Leisten-/Hüftregion zwingen zum Trainingsabbruch und führen zum Besuch beim Orthopäden. Im Röntgenbild ist in der Mehrzahl der Fälle kein Knochenbruch zu sehen und so lautet die Verlegenheitsdiagnose oft „Knochenhautentzünding“ oder „Sehenansatzschmerz (Tendinopathie)“.

Doch auch unter Gabe von schmerz- und entzündungsstillenden Medikamenten stellt sich in den kommenden 6-8 Wochen keine anhaltende Besserung ein und alle Versuche eines Wiederbeginns des Trainings scheitern. Was steckt hinter diesen langwierigen Beschwerdeverläufen?

Verschiedene Körperregionen des Läufers passen sich unterschiedlich schnell an ein Lauftraining an: das Herzkreislaufsystem zeigt nach wenigen Tagen Anpassungsreaktionen.

Die Muskulatur und besonders Ihre Befestigungszonen am Knochen brauchen Wochen bis Monate um sich an eine Lauftrainingsbelastung anzupassen. Der Knochen hingegen ist ein vergleichsweise stoffwechselarmes Gewebe und kann je nach Vitamin-D-Versorgung und Hormonsituation Monate bis Jahre brauchen, um unter der Trainingsbelastung ein Gleichgewicht zwischen Knochenabbau und –aufbau zu erreichen.

1855 beschrieb der preußische Heereschirurg Breithaupt erstmals schmerzhafte Schwellungen des Mittelfußes bei jungen Rekruten, die vermehrter Marschbelastung ausgesetzt waren. Er vermutete Knochenbrüche der Mittelfußglieder als Ursache und nannte daher diese Beschwerden „Marschfraktur“ - 42 Jahre später bewies die inzwischen erfunden Röntgendiagnostik seinen Verdacht. Devas beschrieb 1958 erstmals die Stressfrakturen des Schienbeines bei Leichtathleten. Bis heute stammt ein Großteil der Forschungsergebnisse zum Thema aus Studien an Armeerekruten, v.a. in der israelischen Armee ist über 25 Jahre über Möglichkeiten zur Vorbeugung von Stressfrakturen geforscht worden.

Wie kommt es zu Stressfrakturen?

Es gibt im Wesentlichen zwei Ansätze, die die Entstehung von Überlastungsbrüchen beschreiben ....

Lesen Sie bitte den gesamten Beitrag auf dem angefügten download -
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Dr. med. Ralph Schomaker

Arzt für Chirurgie und Unfallchirurgie
Sprecher von German Road Races (GRR)
Rennarzt des Volksbank Münster Marathons
ZfS - Zentrum für Sportmedizin,
Windthorststraße 35
48143 Münster

ralph.schomaker@zfs-muenster.de
©2009, ZfS GmbH

 

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Das lädierte Sprunggelenk – was tun, wenn’s nicht mehr läuft? Prof. Dr. Horst Rieger, Münster - Beitrag zum 2. Münsteraner Marathon-Medizin-Symposium


Beitrag zum 2. Münsteraner Marathon-Medizin-Symposium
© Münster-Marathon Organisation

[06.12.2009] - Beim Laufen und Sportarten mit Sprungelementen wird das menschliche Sprunggelenk eingesetzt. Es gliedert sich in ein oberes und ein unteres Sprunggelenk, die eine funktionelle Einheit bilden. Das obere Sprunggelenk besteht aus dem unteren Schienbeinende, dem Innenknöchel (Teil des Schienbeins), dem Außenknöchel (Teil des Wadenbeins) und dem Sprungbein.

Neben den Knochen, die das Gelenk bilden und im Gelenkbereich von Knorpel überzogen sind, ist es wie jedes Gelenk von einer Kapsel umgeben. Die Gelenkkapsel wiederum wird durch Bänder verstärkt.

Bei einem Unfall ist häufiger das obere Sprunggelenk betroffen. Insgesamt machen dessen Verletzungen etwa 30-50 % aller Sportverletzungen aus. Damit steht das obere Sprunggelenk in den meistens sportmedizinischen Statistiken an Platz 1 der „Hit-Liste“. Meistens handelt es sich um Verletzungen des aus drei Anteilen bestehenden Außenbandes, von der Zerrung bis zum kompletten Bänderriss (Abb. 1), entstanden durch ein unfreiwilliges Umknicken.

Im Folgenden sollen einige wichtige Aspekte der Erstbehandlung des lädierten oberen Sprunggelenks dargestellt werden, die nicht nur für Läuferinnen und Läufer von Bedeutung sind.

Eine sehr wichtige Leitlinie für die Erstmaßnahmen, z.B. nach einem Umknicken, ist die PECH-Regel. Sie nennt die 4 elementaren Behandlungsprinzipien: Pause, Eis, Compression, Hochlagerung.

Als erstes Prinzip der PECH-Regel wird die sportliche Aktivität beendet, also eine Pause eingelegt. Das zweite Prinzip ist die Eis- bzw. Kälteanwendung (Kryotherapie), dass also frühzeitig dosiert gekühlt wird. Die Kälteanwendung hat eine schmerzlindernde Wirkung, außerdem wird eine Einblutung in das verletzte Gewebe gemindert und damit einer stärkeren Schwellung vorgebeugt. Die Kühlung kann z.B. mit einem Eislolli („Eis am Stiel“) durchgeführt werden oder mit Eiswürfeln, die z.B. als Eisbrei zerkleinert in einen Plastikbeutel gegeben werden.

Weitere Möglichkeiten sind so genannte Eiswasser-Packs, Cool Packs oder Kühlgel-Packungen aus dem Kühlschrank oder der Kühlbox. Wichtig ist, dass diese nicht in direkten Kontakt mit der Haut kommen. Es empfiehlt sich, zur Vermeidung einer Erfrierung ein (Hand-)Tuch (oder elastische Binde, siehe unten) zwischen Packung und Haut zu legen. Auch bei so genannten Kältesprays besteht die Gefahr einer lokalen Erfrierung. Außerdem: Kein Eis auf offene Wunden!

Das dritte Prinzip der PECH-Regel ist die Kompression, also das Anlegen eines Druckverbands: Mit einer Bandagierung soll ebenfalls die Schwellung verhindert werden. Eine Kompression ist auch deshalb wichtig, weil es nach der Kälteanwendung zu einer gesteigerten Durchblutung (reaktive Hyperämie) kommt, die wiederum ohne Kompression die Schwellung verstärken würde. Die elastische Binde darf nicht zu fest und sollte immer von der Peripherie nach zentral angelegt werden – also von den Zehen zum Unterschenkel.

Eine sehr gute Kombination von Eis und Kompression ist der so genannte „Hot Ice“-Verband: In einem Eimer, einer Schüssel oder besser in einer Kältebox wird kaltes Leitungswasser mit Eiswürfeln versetzt. Außerdem werden dazu einige Idealbinden unterschiedlicher Breite (8 cm, 10 cm, 12 cm) und einige Schwämme gelegt. Eine so gekühlte Idealbinde wird um das verletzte Sprunggelenk gewickelt. Zusätzlich kann ein kalterSchwamm mit dosiertem Druck mit angewickelt werden, also nicht zu stramm! Der „Hot Ice“-Verband wird regelmäßig mit Eiswasser beträufelt (Abb. 2) und bleibt für etwa 15-20 Minuten angelegt.

Dann wird er entfernt, damit die Weichteile sich „erholen“ können. Nach etwa 5-10 Minuten kann die Prozedur wiederholt werden, insgesamt 3-4mal. Damit es in der „Kompressionspause“ nicht durch die reaktive Mehrdurchblutung (siehe oben) zu einer stärkeren Schwellung kommt, empfehlen manche Sportmediziner, in der Pause eine trockene Idealbinde locker anzuwickeln. Ganz wichtig: Der Verletzte darf den Verband niemals als unangenehm empfinden, also nicht zu kalt, nicht zu eng!

Die vierte „Säule“ der PECH-Regel ist die Hochlagerung des verletzten Sprunggelenks; sie soll der weiteren Einblutung und damit auch Schwellung entgegenwirken. Außerdem wird der „Abtransport“ von Flüssigkeit im Gewebe erleichtert („Das Wasser kann nur den Berg herunterlaufen!“). Dies bedeutet, dass der Fuß oberhalb der Ebene des Kniegelenks gelagert wird.

Weitere Hinweise zur Erstbehandlung: Das Prinzip „Pause“ der PECH-Regel bedeutet im erweiterten Sinne auch, dass bei einer Sportverletzung des Sprunggelenks oft eine Ruhigstellung direkt an der Sportstätte erforderlich ist! Besteht z.B. der Verdacht auf das Vorliegen eines Knochenbruchs, so sollte eine Ruhigstellung durch eine Schienung durchgeführt werden.

Für sportmedizinische Zwecke empfehlenswert ist eine kunststoffummantelte Aluminiumschiene, der „SAM-Splint“. Die Schiene ist nach dem „Vorbild“ eines Kaugummis, der in Stanniol gewickelt ist, konzipiert. Sie wird mit einer Binde fixiert. Der Aluminiumkern dieser Schiene bedeutet als wesentlichen Vorteil nicht nur ein geringes Gewicht, sondern auch eine exzellente Verformbarkeit, die den anatomischen Erfordernissen angepasst werden kann. Diese Verformbarkeit bedeutet einen geringen Platzbedarf, da die Schiene wie eine Mullbinde aufgerollt und verpackt werden kann. Ähnliche Produkte sind der Koch-Splint sowie der DocCheck-Splint.

Ein unerfahrener Ersthelfer sollte in der Regel einen offensichtlich verschobenen Knochenbruch des Sprunggelenks weder einrenken noch richten. Der Verunfallte ist so wenig wie möglich zu bewegen, bis die Schienung der Fraktur durchgeführt worden ist. Ein Tipp zum Improvisieren: Da Schienen leider nur in Ausnahmefällen zur Verfügung stehen, kann eine provisorische Ruhigstellung z.B. mit einer entsprechend gefalteten und dann angewickelten dicken Zeitung oder Illustrierten erfolgen. Ebenso kann auch ein Brett verwendet werden, wobei auf eine ausreichende Polsterung zur Vermeidung von Druckstellen geachtet werden muss.

Ergänzende Empfehlungen: Es muss darauf geachtet werden, dass die Sportlerin bzw. der Sportler nicht unterkühlt. Verschwitzte und nasse Sportkleidung muss entfernt werden. Falls keine trockene Kleidung angezogen werden kann, wird der Verletzte mit Kleidung oder einer Decke eingehüllt. Ein sehr guter Schutz vor Unterkühlung, direkter Sonneneinstrahlung oder Nässe ist auch eine Rettungsdecke, die in jedem Fahrzeug-Verbandskasten vorhanden sein muss!

Dabei handelt es sich um eine dünne, reißfeste, wasserdichte und Wärmestrahlen reflektierende Folie, die mit einer gold- und silberfarbenen Metallschicht überzogen ist. Sie wird als kleines Päckchen geliefert. Die Wärmedecke ist keine Wundauflage, ersetzt nicht den Verband, also nicht direkt auf die Haut legen! Durch Kleidung oder lockeres Auflegen muss ein Luftpolster erhalten bleiben, welches die vom Körper abgegebene Wärme speichert. Die silberne Seite wird zum Patienten gelegt.

Im Verletzungsfall muss immer an eine eventuell notwendige Operation gedacht werden, für die der Sportler nüchtern sein sollte. Dementsprechend ist dann Trinken oder gar Essen nach einer Verletzung nicht sinnvoll. Sportler sollten – und dies gilt nicht nur im Verletzungsfall – keine Medikamente oder Schmerzmittel ohne ärztliche Anweisung einnehmen.

Ausnahmen sind gegeben zum Beispiel bei einer langen Transportdauer zur nächsten Arztpraxis oder Klinik, genannt sei hier die Laienhilfe im Gebirge. Aber: Keine Medikamente oder Salben, die zur Blutgerinnungsstörung führen! Grundsätzlich verboten sind Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (z.B. in Aspirin®). Diese Substanz, die beispielsweise auch in manchen Grippe- Medikamenten enthalten ist, verzögert die Blutgerinnung und kann zur Vergrößerung eines Blutergusses beitragen, außerdem steigert es bei einer notwendigen Operation das Blutungsrisiko. Aus eben diesem Grund sollte bei akuten Verletzungen auch die Einreibung mit Salben oder Gelen unterbleiben, die Substanzen enthalten, welche die Blutgerinnung stören können, z.B. Heparin-Salben.

Nicht zuletzt ist bei Sprunggelenkverletzungen auch die psychische erste Hilfe wichtig. Dazu gehört, dass der Ersthelfer sich dem Verletzten vorstellt und ihm sein Handeln in ruhigem Ton und sachlich erläutert, andererseits aber auch zuhört. Ratsam ist, sich auf gleiche Körperhöhe mit dem zu versorgenden Sportler zu begeben und ihn „nicht von oben herab“ zu behandeln. Ganz wichtig ist außerdem, Schaulustige fern zu halten.

Und noch ein abschließender Hinweis: Erste Hilfe ersetzt nicht eine notwendige ärztliche Behandlung!

Literatur
Schomaker, R.: Erste Hilfe bei Sportunfällen. LandesSportBund Nordrhein-Westfalen 2007
Rieger, H.: Sportverletzt – was jetzt? Ursachen, Behandlung, Vorbeugung. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2009

Autor: Prof. Dr. Horst Rieger
Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie
Zentrum für ambulante Hand-, Fuß und Arthroskopische Chirurgie
Clemenshospital
Düesbergweg 124, 48153 Münster Tel.: 0251 - 976 2391
www.clemenshospital.de

 

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