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"Klimakterium des Mannes" und Sport - Dr. Dieter Kleinmann


Läufer und Autor: Dr. med. Dieter Kleinmann - Internist/Sportmedizin
©: privat

[23.07.2009] - Das Klimakterium ("Wechseljahre") der Frauen ist allgemein bekannt und akzeptiert. Doch gibt es etwas Ähnliches auch beim Mann, ein "Klimakterium virile"? Nachlassende Potenz ("erektile Dysfunktion"), verminderte Lust ("Libido"), Zunahme der Fettmasse besonders um den Bauch, Abnahme der Muskelkraft, Osteoporose ("Knochenentkalkung"), verminderte Zahl der roten Blutkörperchen, depressive Verstimmung, Schlafstörungen, Neigung zur Zuckerkrankheit usw. sind Beschwerden und Befunde, die der Arzt bei älteren Männern in der Sprechstunde vorfindet, vor allem dann, wenn ärztlicherseits gezielt das "heikle" Thema angesprochen wird.

Vom Patienten selbst wird das Problem eher im Gespräch gemieden, obwohl es tatsächlich vorliegt. Manche haben dann bereits eine feste Vorstellung, nämlich ein Rezept für "Viagra". Andere scheinen sich bereits über die Medien informiert zu haben und kennen auch die Konkurrenzpräparate "Cialis" und "Levitra". Alle drei Substanzen gehören derselben Wirkstoffgruppe an ("PDE-5-Hemmer"). Die Wirkung setzt in der Regel innerhalb von 30 bis 60 Minuten ein, die Wirkdauer ist bei den zuletzt genannten jedoch länger. Der Blutfluß im Penis wird durch alle 3 Medikamente gesteigert, so dass in 70 bis 80% der Fälle wieder ein befriedigendes Sexualleben möglich ist.

In einer Studie an rund 300 gesunden Männern im Alter von 35 bis 64 Jahren gaben knapp 30% der 55 bis 64jährigen eine mäßig oder stark verminderte Libido und etwa 20% mehr oder weniger starke Potenzstörungen an. In rund 70% liegen die Ursachen in Herz-Kreislauferkrankungen, Zuckerkrankheit, Nervenerkrankungen , Hormonstörungen. Männer, die sich mit dem Altern flexibel arrangieren und Sport betreiben, haben weniger Beschwerden als andere.

Vor allem Stress und soziale Schwierigkeiten, z.B. Arbeitslosigkeit, fördern das Beschwerdebild . Ein regelmäßiges Ausdauertraining, z. B. Jogging, Walking, Bergwanderungen, Radfahren usw. wirkt sich nicht nur positiv auf die erwähnten Zivilisationskrankheiten und die Stresstoleranz aus , sondern auch auf die innere Zellschicht („Endothel“) der Gefäßwand aus.

Das Endothel liegt also zwischen dem strömenden Blut und der glatten Gefäßmuskulatur, zu der eine Verbindung über das Gas NO (Stickstoffmonoxid) besteht. Unter dem Einfluss von NO kommt es zu einer Weitstellung des Gefäßes. Daneben hemmt es die Zusammenlagerung der Blutplättchen (Thrombozytenaggregation), die Wucherung (Proliferation) glatter Muskelzellen usw.. Damit wirkt NO arteriosklerotischen Prozessen an der Gefäßwand entgegen. Die NO-Synthese wird vor allem durch den Blutstrom selbst stimuliert. Dadurch wird der Gefäßdurchmesser dem Blutfluss angepasst.

Bei Patienten mit Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit (Herzinfarkt), peripherer arterieller Verschlusskrankheit („Schaufensterkrankheit“), Niereninsuffizienz und Zuckerkrankheit findet man frühzeitig eine derartige Fehlfunktion des Endothels („endotheliale Dysfunktion) und damit auch Potenzstörungen. Die Endotheldysfunktion zeigt sich an einem zunehmenden NO-Mangel mit Engstellung der Gefäße, Wucherung der glatten Gefäßmuskelzellen und Zusammenlagerung der Blutplättchen. Ein Ausdauertraining wirkt dem entgegen.

Erst in den letzten Jahren ist zunehmend erkannt worden, dass das Endothel endokrin ein hochaktives Organ ist. Durch verschiedene Experimente konnte Prof. Louis Ignarro, Los Angeles, die Bedeutung der NO-Bildung bei der Endothelfunktion darstellen, weshalb er 1998 den Nobelpreis für Medizin erhielt. Da sich NO auch gefäßerweiternd auf den Penis bei der Erektion auswirkt, machte Nobelpreisträger Prof. Ignarro in der Laienpresse Sex-Schlagzeilen, worüber allerdings seine italienische Mutter schockiert gewesen sei, wie er in einem Vortrag im Rahmen einer Tagung der Hochdruckliga im November 2003 in Bonn schmunzelnd erwähnte. Einige Männer mit Potenzproblemen hätten nach den Aufsehen erregenden Veröffentlichungen sogar Gasflaschen mit NO bei ihm bestellen wollen…

Entgegen weitläufiger Meinung sind nicht einmal 3% der Fälle von Potenzstörungen ursächlich auf einen Testosteronmangel (männliches Geschlechtshormon) zurückzuführen. Wenn aber ein solcher Androgenmangel vorliegt, so zeigten Studien an rund 350 Patienten eine Erfolgsrate von 60%, wenn Testosteron substituiert wurde. Nicht nur die erektile Dysfunktion und die Libido besserten sich unter Testosterongabe, sondern es nahmen auch die Muskelmasse, die Knochendichte und die Zahl der roten Blutkörperchen zu.

Nach dem 30. Lebensjahr fällt der Testosteronspiegel jährlich um etwa 1% ab. Während der Mittelwert bei 35 bis 44jährigen Männern um 23 nmol/l liegt, so werden bei über 85jährigen Männern im Mittel 13nmol/l gemessen, wobei die große individuelle Schwankungsbreite berücksichtigt werden muss. Der Testosteronspiegel nimmt zusätzlich mit einem Bauchumfang von über 102 cm ab (siehe Abbildung), bei dem nicht nur Potenzstörungen häufiger sind, sondern auch Herzinfarkte. Eine Hormongabe ist allerdings nur dann angezeigt, wenn das Testosteron im Serum weniger als 12nmol/l bzw. weniger als 300 ng/dl beträgt und Symptome vorliegen, die auf einen Hormonmangel zurückgeführt werden können. Es muss nochmals betont werden, eine körperliche Fitness wirkt nicht nur Potenzstörungen entgegen, sondern auch einer Fettsucht mit allen krankhaften Begleiterscheinungen.
Obgleich für sexuelle Aktivitäten Testosteron erforderlich ist, lässt sich kein Zusammenhang zwischen der Abnahme der Erektionsfähigkeit des Penis in höherem Lebensalter mit dem sinkenden Testosteronspiegel herstellen. Die Steifigkeit und die Dauer der Erektion sowie auch die Erregbarkeit sind nicht statistisch signifikant vom Testosteronspiegel abhängig. Es wurde auch keine Wirksamkeit von Testosterongabe bei Potenzstörungen ohne gleichzeitigen Testosteronmangel nachgewiesen.
Liegt jedoch ein Mangel vor, also ein Testosteronspiegel unter 12 nmol/l mit entsprechenden Beschwerden, siehe Tabelle, dann kann eine Substitution erfolgen, beispielsweise in Form einer intramuskulären Spritze (250mg) alle 3 Wochen, oder in Form eines Pflasters 2x2,5 mg pro Tag bzw. in Form eines Gels mit 50mg pro Tag sowie in Tablettenform 3x 40mg täglich.

Während bei Tabletteneinnahme oder intramuskulärer Hormonspritze hohe unphysiologische Spitzenspiegel von Testosteron auftreten, so findet man bei der Pflasterbehandlung teilweise Hautveränderungen als Unverträglichkeitsreaktion. Die zuletzt auf den Markt gekommenen Testosterongels ("Androtop", "Testogel") sollen physiologische Hormonspiegel über den ganzen Tag ermöglichen.

Vor der Gabe von Testosteron muss unbedingt ein Prostatakarzinom (PSA-Spiegel?) bzw. eine bedeutende Prostatavergrößerung mit Beschwerden beim Wasserlassen ausgeschlossen werden, da zumindest theoretisch ein klinisch noch nicht manifestes Karzinom durch die Hormongabe aktiviert werden und sich auch das Beschwerdebild bei Prostatavergrößerung verschlechtern könnte. Bei schwerer Fettstoffwechselstörung und Bluthochdruck ist von der Testosterongabe ebenfalls abzuraten.

Testosteron ist ein Anabolikum, wirkt also muskelaufbauend und verbessert die Regeneration nach hartem Training oder Wettkampf. Somit gilt ein Sportler, der mit Testosteron behandelt wird, als gedopt. Bei Breitensportlern im Seniorenbereich mit einem nachgewiesenen Testosteronmangel und entsprechendem Beschwerdebild, siehe Tabelle, spielt die Dopingproblematik keine Rolle. Die medizinischerseits gerechtfertigte Behandlung hat keine Strafmaßnahmen zur Folge. Anders kann es aussehen bei den Seniorenweltmeisterschaften mit Dopingkontrollen. -

Ein Trost, "Viagra" steht nicht auf der Dopingliste!

Doch Vorsicht, Patienten, die ein Nitropräparat zur Förderung der Herzdurchblutung bei Herzkranzgefäßverengungen, z.B. Zustand nach Herzinfarkt, dürfen kein Viagra nehmen, da ein überschießender Blutdruckabfall und Todesfälle auftreten können.

Zeichen von Testosteronmangel

- Abnahme der Muskelmasse und Zunahme des Fettanteils
- Abnahme der Knochendichte ("Knochenentkalkung")
- Abnahme der Zahl der roten Blutkörperchen (Hämatokrit erniedrigt)
- erektile Dysfunktion und Nachlassen der Libido
- leichte Ermüdbarkeit und starkes Schwitzen
- depressive Verstimmung und Reizbarkeit
- Schwindel
- Schlafstörungen
- Neigung zur diabetischen Stoffwechsellage

Dr. med. Dieter Kleinmann
Internist/Sportmedizin
Frisonistr. 7
70736 Fellbach
Tel.: 0711 514542
Fax : 0711 1612204
E-Mail: dr.kleinmann@vr-web.de

Ein weiteres Fachbuch von Dr. Dieter Kleinmann:
Laufnebenwirkungen - Ein laufmedizinisches Fachbuch in 2. Auflage - Dieter Kleinmann

 

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Herzinfarkt-Risiko als Erblast: Frühzeitig gegensteuern! In Infarkt-Familien ist Kontrolle von Risikofaktoren besonders wichtig


Aktiv gegen Herzkrankheiten
©Deutsche Herzstiftung

[12.07.2009] - Es kommt immer wieder vor, dass Herzinfarkte familiär gehäuft auftreten. In diesen Familien ist die Gefährdung durch die koronare Herzkrankheit und den Herzinfarkt zu einem wesentlichen Teil vererbt. Wie wahrscheinlich es zu dem gefürchteten Ereignis kommt, hängt dabei sowohl von genetischen Faktoren als auch von anderen – teilweise sehr gut beeinflussbaren – Risikofaktoren ab.

Gerade Menschen, in deren Familien ein Herzinfarkt bereits gehäuft aufgetreten ist, sollten diese Risikofaktoren deshalb besonders aufmerksam kontrollieren, wie die Deutsche Herzstiftung empfiehlt.

Wissenschaftler vermuten, dass bisher unbekannte genetische Faktoren etwa die Hälfte des persönlichen Herzinfarkt-Risikos ausmachen. „Weltweit wird intensiv daran gearbeitet, Risiko-Gene für den Herzinfarkt aufzuspüren, um Menschen mit einem sehr hohen Infarktrisiko frühzeitig schützen zu können“, sagt Prof. Dr. med. Christian Hengstenberg, Kardiologe im Universitätsklinikum Regensburg und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Forscher sind Risiko-Genen auf der Spur

In einer von der Deutschen Herzstiftung bzw. der Deutschen Stiftung für Herzforschung unterstützten mehrjährigen Herzinfarkt-Familienstudie konnten die Forscher um Christian Hengstenberg durch aufwendige Analysen Genregionen finden, in denen mit hoher Wahrscheinlichkeit Herzinfarkt-Gene liegen. Nicht zuletzt aufgrund der Ergebnisse dieser Studie gilt es mittlerweile als wissenschaftlich gesichert, dass blutsverwandte Familienmitglieder mit Herzinfarkt eine wichtige Bedeutung für das eigene Infarktrisiko haben.

Weiterführende Langzeit-Untersuchungen (auch sie werden u.a. von der Deutschen Herzstiftung gefördert) haben nun das Ziel, einzelne spezielle Herzinfarkt-Gene zu identifizieren und deren Auswirkungen auf den Stoffwechsel zu untersuchen. „Wir nehmen an“, so der Kardiologe, „dass es verschiedene genetische Faktoren in mehreren Genen sind, die im Zusammenspiel mit den anderen Risikofaktoren für die Entstehung des Herzinfarkts und der ihm vorausgehenden koronaren Herzerkrankung verantwortlich sind.“

Personen, in deren Familien Herzinfarkte bereits gehäuft aufgetreten sind, neigen nicht selten dazu, ein solches Ereignis auch für sich selbst als schicksalhaft vorherzusehen. „Resignation ist hier jedoch völlig fehl am Platz“, betont Prof. Hengstenberg. „Vielmehr sollten gerade Menschen, die in eine Herzinfarktfamilie hineingeboren sind, so früh wie möglich ihre anderen Risikofaktoren erkennen und beeinflussen.“ So lohnt es sich für sie besonders, nicht zu rauchen, sich gesund zu ernähren, auf ausreichend Bewegung und ein normales Körpergewicht zu achten und Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Fettstoffwechselstörungen konsequent behandeln zu lassen.

Ausführlicher Bericht zum Thema Vererbung und Herzinfarkt in der Zeitschrift „Herz heute“ 1/2009. Das Heft ist kostenlos erhältlich bei: Deutsche Herzstiftung e.V., Stichwort „Herzinfarkt-Familien“, Vogtstr. 50, 60322 Frankfurt am Main, Tel. 069 955128-0, E-Mail: info@herzstiftung.de.

Deutsche Herzstiftung e.V.
Dr. Klaus Fleck / Pierre König
Tel. 069/95 51 28-140
Fax: 069/95 51 28-345
E-Mail: koenig@herzstiftung.de
www.herzstiftung.de

 

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