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Diabetes und Dauerlauf von PD Dr. med. Anton Gillessen aus Münster - Diabetiker können wie Gesunde Sport treiben.

PD Dr. med. Anton Gillessen - Chefarzt - Herz-Jesu-Krankenhaus Münster
©privat
[16.12.2008] - Diabetiker können wie Gesunde Sport treiben. So lautet eine plakative Formulierung aus einer Behandlungsleitlinie für Diabetiker. Damit sie mit gutem Gefühl auch Marathon und andere Ausdauersportarten betreiben können, sind einige wichtige Voraussetzungen nötig: Wesentlich ist zunächst eine langfristig stabile Blutzuckereinstellung.
Diabetiker, bei denen der Blutzucker heftig schwankt, immer wieder Entgleisungen vorkommen, der HB-A1c-Wert, der die langfristige Blutzuckereinstellung hinweist sollte unter 7,5, besser unter 7% liegen, bevor man mit dem Marathontraining loslegt. Folgeschäden des Diabetes an Herz, Nieren, Blutdruck, Augen sind nicht vorhanden oder ebenfalls unter ärztlicher Kontrolle. Der Blutzucker sollte vor und bei längeren Läufen während des Laufs regelmäßig gemessen werden.
Bei Ausgangsblutzuckerwerten über 250 mg/dl darf auf keinen Fall gestartet werden, wenn nicht zuvor ein Test auf Keton im Urin eine schwere Entgleisung ausschließt und der zu hohe Blutzuckerwert vorsichtig korrigiert wird. Grundsätzlich ist es zwar günstig mit einem etwas erhöhte BZ-Wert von 150-200 zu starten um nicht alle Kalorien beim Lauf zu sich nehmen zu müssen, aber über 250 ist zuviel. Dann kann’s also mit dem Marathon-Training losgehen.
Spätestens seit Untersuchungen aus den 20-er Jahren ist bekannt, daß körperliche Belastung den Blutzuckerspiegel im Blut senkt. Dazu ist Insulin notwendig. Ohne Insulin kann die Glucose, der Brennstoff des Körpers, nicht in die Muskelzellen kommen. Gleichzeitig liefert der Körper aus Speichern in Leber und Muskel neu Glucose nach. Diese Freisetzung von Blutzucker (Glycogenolyse) geschieht bei trainierten Menschen schneller und hält länger an als bei Untrainierten. Die Lipolyse ist der Vorgang bei dem aus Körperfett Energie zur Verfügung gestellt wird. Übrigens schon zu Beginn der Belastung, allerding zu einem geringen Anteil.
Nun kann die Blutzuckereinstellung bei Diabetikern, die Insulin spritzen durch eine Veränderung der Nahrungsaufnahme, also durch zusätzliche schnell oder langsam wirkende Kohlenhydrate (BE) und zusätzlich durch Reduzierung der Insulingabe erfolgen. Meist ist bei langen Läufen beides erforderlich.
Die erforderlichen Veränderungen bei der Reduzierung der Insulindosis und Aufnahme von BE’s ist individuell sehr verschieden und jeder Läufer muss hier seine eigene Erfahrung sammeln. Das geht nur mit häufigem Messen vor, während und auch noch bis zu 48 Stunden nach dem Lauf. Denn gerade bei sehr langen Läufen droht der Blutzuckerspiegel auch noch viele Stunden nach dem Lauf zu sinken, weil die Glucosespeicher mit dem Blutzucker aus der Nahrung wieder aufgefüllt werden.
Insbesondere in der Nacht nach dem Marathon sollte eine nächtliche Kontrolle des BZ Sicherheit schaffen.
Faustregeln für die Korrekturen können etwa folgendermaßen sein:
- Vor, während und auch nach dem Lauf besonders oft BZ messen und korrigieren
- Insulindosisreduktion: - 1 I.E: Normalinsulin je 20 min. (moderater) Sport morgens stärker als abends reduzieren. Individuell bis zu 80% weniger Insulin!
- Kurzwirksames und langwirksames Insulin (Basalrate) reduzieren
- Schutz vor Unterzuckerung pro Std. mittlere Belastung 30 – 40 g Glucoseäquivalente (= 3 – 4 Kohlenhydratportionen)
- Schnell wirksame BE‘s beim Laufen immer griffbereit haben.
Bei den vielen Läufern, deren Diabetes mit Tabletten behandelt wird, sog Typ-2-Diabetikern, sollte genauso der Blutzucker kontrolliert werden. Auch bei diesem Typ der Blutzuckerkrankheit ist ein zu hoher Zuckerwert (über 250 mg/dl) gefährlich, da er beim Laufen nicht unbedingt abfällt, sondern bei entgleister Stoffwechsellage sogar weiter ansteigen kann. Daher gilt:
BZ über 250 = nicht starten. Zuerst Keton im Urin messen und BZ ausgleichen!
Bei den Medikamenten muss beachtet werden, dass einige davon nach Absprache mit Ihrem Arzt vor dem Lauf in der Dosis angepasst werden sollten. Besonders die Medikamente die Insulinfreisetzung stimulieren bergen die Gefahr der Unterzuckerung während des Laufs.
Angepasst werden sollten:
- Sulfonylharnstoffe
- - Glibenclamid (z.B.Euglucon®)
- - Glibenpirid (z.B.Amaryl®)
- - Gliclazid (Diamicron®)
- Glinide (z.B. Novonorm® oder Starlix®)
- Glitazone (z.B. Actos® oder Avandia®)
- Alpha-Glucosidase-Hemmer (z.B. Diastabol@ oder Glucobay®)
Ideal bei Diabetes ist eine engmaschige Betreuung von einem darin erfahrenen Diabetesberater und Arzt und sehr hilfreich ist auch die Betreuung im Wettkampf durch erfahrene Diabetologen mit Vorplanung, Absprache der Kontrollen und Messstationen an der Strecke, wie es beim Beriln-Marathon seit Jahren erprobt ist.
Insgesamt gilt, dass Ausdauersport wie der Langlauf gerade für Diabetiker eine sehr empfehlenswerte und für ihre Erkrankung förderliche Sportliche Betätigung ist. Betroffene Diabetiker sollten sich durch die genannten Empfehlung zur Optimierung ihres Blutzuckers nicht abhalten lassen diese gesunde und zudem wunderschöne Sportart für sich zu wählen, denn: Diabetiker können Alles schaffen.
PD Dr. med. Anton.Gillessen
Mehr Info’s:
Ulrike Thurm; Bernhard Gehr:
Diabetes- und Sportfibel
2. überarbeitete Auflage 2005, 446 Seiten
Kirchheim-Verlag Preis 19,90 Euro
www.idaa.de
und beim Verfasser des Beitrages
PD Dr. med. Anton.Gillessen
Chefarzt
Herz-Jesu-Krankenhaus Münster
02501-172441
Diabetes(at)Herz-Jesu-kh-ms.de
Text aus: www.germanroadraces.de
Fit im Alter, aber wozu? Dr. Dieter Kleinmann - "Geradezu frappierend sind die Parallelen zwischen Altern und Bewegungsmangel."

Dr. Dieter Kleinmann - Laufen und auch Nordic Walking haben sich zu einem Massenphänomen entwickelt. Doch können oder sollen ältere, bisher körperlich inaktive oder von Altersbeschwerden geplagte Menschen noch auf den fahrenden Zug der Gesundheitswelle aufspringen?
© Springer Wien New York
[01.12.2008] - Der leider zu früh verstorbene Prof. Richard Rost (Sporthochschule Köln) hätte gern eine Antwort gehabt auf ketzerische Fragen, wie er in einem Artikel einmal schrieb, nämlich ob Vorbeugung nicht noch mehr ältere Menschen schafft und damit noch mehr Kosten, ob Prävention damit nicht volkswirtschaftlicher Unsinn sei und ob Jogger von daher nicht sogar höhere Krankenkassenbeiträge entrichten sollten.
Laufen und auch Nordic Walking haben sich zu einem Massenphänomen entwickelt. Doch können oder sollen ältere, bisher körperlich inaktive oder von Altersbeschwerden geplagte Menschen noch auf den fahrenden Zug der Gesundheitswelle aufspringen? Vor allem die positive Beeinflussung der Risikofaktoren Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Fettsucht usw. durch Ausdauertraining erhöht die Chance, ein hohes Alter bei geistiger und körperlicher Fitness zu erreichen. So fanden Yates und Mitarbeiter, dass der Anteil der heute 70-Jährigen, die 20 weitere Jahre leben, 54 % beträgt, wenn keine Risikofaktoren vorliegen. Je nach Anzahl und Art der Risikofaktoren wird der Anteil derjenigen vermindert, die 90 Jahre und älter werden. Z. B. werden statistisch gesehen nur 4% der heute 70-Jährigen Raucher mit Adipositas, Bluthochdruck, Diabetes und Bewegungsmangel 90 Jahre alt.
Geradezu frappierend sind die Parallelen zwischen Altern und Bewegungsmangel. Ein extremer Bewegungsmangel, z.B. die Bettruhe, bewirkt ebenso wie das Altern eine Abnahme des Herzschlagvolumens und des Herzminutenvolumens, also der pro Minute gepumpten Blutmenge. Saltin und Rowell fanden beispielsweise nach Ruhigstellung ein Absinken des Herzminutenvolumens bei maximaler Belastung von 20 auf 14,8 l/Min. und des Schlagvolumens von 104 auf 74 ml. -Der vermehrte Wasserverlust des Organismus ist eine weitere Parallele zwischen Altern und körperlicher Untätigkeit. Bekanntlich hat der Säugling noch einen Wasseranteil von rund 90 %. Im Alter von 25 Jahren wird ein Wasseranteil von 62 % des Körpergewichts angegeben, mit 75 Jahren nur noch 53% . Mehrere Autoren konnten an Bettlägrigen eine Abnahme des Plasmavolumens feststellen. Das vermehrte Schwindelgefühl mit Ohnmachtsneigung bei alten und körperlich Inaktiven, insbesondere Bettlägrigen ist allgemein bekannt und in erster Linie auf die Verlagerung von Flüssigkeitsvolumina zurückzuführen. Diese orthostatischen Störungen nach Ruhigstellung lassen sich verhindern, wenn bereits im Bett ein Übungsprogramm durchgeführt wird. - Das Altern wird in erster Linie dadurch gefördert, dass Fähigkeiten und Funktionen, die nicht gebraucht werden, verkümmern!
In zahlreichen Studien wurde eine trainingsbedingte Lebensverlängerung über verschiedene Wirkmechanismen nachgewiesen, siehe http://www.germanroadraces.de/245-0-6885-mit-70-noch-spitze-auswirkungen-eines-lauftrainings.html . Eine solche Lebensverlängerung mit den damit verbundenen sozialen Problemen (demografische Entwicklung, Renten- und Pflegeversicherung usw.) macht Rosts „ketzerische Fragen“ durchaus verständlich. Manch einer oder eine wird sich daher auch fragen, wozu überhaupt ein mühsames Training und Fitness im Alter? Offensichtlich herrscht weit verbreitet auch bei jungen Leuten noch die Meinung vor, im Ruhestand habe man schließlich die Ruhe verdient. Entsprechend mutet und traut man Älteren keine anspruchsvollen Tätigkeiten mehr zu.
Bereits Cicero (106 bis 34 vor Christus) hat in seiner Schrift "Cato Maior de Senectute" („Cato der Ältere über das Greisentum“) vier Gründe herausgestellt, die den Alterungsprozess fördern. Sie sind heutzutage durch die empirische, methodisch abgesicherte Forschung weitgehend bestätigt:
1. Die Verwehrung einer ergiebigen Tätigkeit, das Verurteiltsein zur Passivität.
2. Die körperliche Schwächung und körperlichen Beschwerden.
3. Die Beraubung der Vergnügen, der Verzicht bzw. das Ausgeschlossenwerden von den angenehmen Erfahrungen und Folgen des Lebens.
4. Das Bewusstsein der Todesnähe.
Es konnte gezeigt werden, dass körperliche Übungsprogramme den geistigen Verfall im Alter aufhalten oder teilweise rückgängig machen konnten. Ein Fitnesstraining hat demnach einen positiveren Einfluss auf das gesamte Gehirn, fördert also die geistigen Fähigkeiten des älteren Erwachsenen. Larson und Mitarbeiter konnten beispielsweise in einer prospektiven Studie mit 1740 Personen zeigen, dass regelmäßige körperliche Aktivität mit einem wesentlich geringerem Demenzrisiko im Alter verbunden ist. Dabei wurde körperliche Aktivität als mindestens 15minütiges Training (Gehen, Schwimmen, Radfahren usw.) dreimal wöchentlich definiert. In einem Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 6,2 Jahren traten 158 Demenzfälle auf, davon 107 Fälle von Alzheimer-Krankheit. Auch unter Berücksichtigung anderer Einflussfaktoren wie Rauchen, Bildung und Bluthochdruck hatten die körperlich Aktiven ein um 32 Prozent geringeres Risiko, an Demenz zu erkranken.
Eine Studie an 5925 Frauen (Alter über 65) ergab in einem Beobachtungszeitraum von 8 Jahren durch Walking einen geringeren Abfall kognitiver Leistungen wie Erkennen, Aufmerksamkeit, Erinnerung, Lernen, Kreativität etc.. In einer weiteren Studie war körperliche Aktivität bei 1919 Probanden im Alter von 43 bis 53 Jahren mit besserer Gedächtnisleistung verbunden. Colcombe und Mitarbeiter stellten mittels MRT (Magnetresonanz-Tomographie, Kernspin) an über 55jährigen Menschen abhängig vom Fitnessgrad einen geringeren Verlust an Hirnsubstanz (Hirnrinde) fest. Das Gehirn stärken durch Bewegungstraining, soziale Kontakte, Wahrnehmung der Umgebung mit allen Sinnen (Sehen, Riechen, Hören etc.), neue Aufgaben und Ziele!
Eine eintönige reizarme Umgebung in Verbindung mit Bewegungsmangel, falscher Ernährung und evtl. zusätzlichem Rauchen fördern das Altern. Männer, die aus dem Berufsleben ausscheiden, Mütter, deren Kinder aus dem Haus gehen, ältere Leute die sich zunehmend sozial isolieren usw. laufen Gefahr, vorzeitig zu altern, sich körperlich und geistig nicht mehr fit zu fühlen. Hinter vermeintlichen Alterungsprozessen verbirgt sich häufig ein mangelnder Trainingszustand und zwar in körperlicher wie auch geistiger Beziehung. Nicht aufhören, weitermachen, ständiges Üben in allem, "man fange nie an, aufzuhören - und man höre nie auf, anzufangen", so lautet der Ratschlag für ein erfolgreiches Altern. Wer weniger aktiv ist, weniger unternehmungslustig, ist häufiger unzufrieden und klagt über Krankheiten. Langeweile kennt der ältere Langstreckenläufer bzw. Walker nicht. Er ist zukunftsorientiert, hat nicht den Tod vor Augen. Er hat Ziele. Er bereitet sich z. B. von Volkslauf zu Volkslauf bzw. Volkswandern vor und zwar nicht nur körperlich, sondern auch geistig, insbesondere wenn die Veranstaltungen mit touristischen Zusatzprogrammen verbunden sind, z.B. Läufe in attraktiven Städten, reizvollen Landschaften im In- und Ausland.
Mittlerweile wurde auch von der Wirtschaft erkannt, dass die unternehmungsfreudigen rüstigen „Alten“ durchaus eine lohnenswerte Zielgruppe darstellen, nicht nur in Bezug auf „Anti-Aging“- Maßnahmen und -Produkten.
Alterssportler werden eine Leistung von sich erwarten. Doch sollte es eine Leistung ohne Zwang hinsichtlich einer bestimmten Zeitvorgabe oder einer bestimmten Streckenlänge sein. Ein Leistungsvergleich mit sich ("was kann ich noch trotz des Alters?" Oder "was kann ich trainingsbedingt wieder?") ist ebenso üblich und motivierend wie der Leistungsvergleich mit Gleichaltrigen oder sogar wesentlich jüngeren Inaktiven. Auch alte Leute haben ein Leistungsbedürfnis und lassen sich gerne bewundern, wenn sie trotz ihres Alters noch sportliche Erfolge vorweisen können. Diese Erfolge sind zur weiteren Motivation notwendig. Das Training muss sich also lohnen. Ein solcher Lohn ist beispielsweise die Teilnahme an traditionellen Marathonläufen oder Wanderungen wie beispielsweise auf dem Rennsteigwanderweg.
Die Alterungsprozesse ähneln denen bei Bewegungsmangel. Sie sind durch Ausdauertraining günstig zu beeinflussen (aus Kleinmann, D.: Laufen und Walking im Alter. Gesundheitliche Auswirkungen und Trainingsgrundsätze aus sportmedizinischer Sicht. Springer Wien New York 2006)
Dr. med. Dieter Kleinmann
Internist/Sportmedizin
Frisonistr. 7
70736 Fellbach
Tel.: 0711 514542
Fax : 0711 1612204
E-Mail: dr.kleinmann@vr-web.de
Zum Buch:
Laufen und auch Nordic Walking haben sich zu einem Massenphänomen entwickelt. Doch können oder sollen ältere, bisher körperlich inaktive oder von Altersbeschwerden geplagte Menschen noch auf den fahrenden Zug der Gesundheitswelle aufspringen?
Dieses Buch liefert die Antwort. Der Autor, ein erfahrener Sportmediziner und Internist, informiert Sie über Voraussetzungen, Trainingsgrundsätze und was Sie oder Ihre Patienten berücksichtigen müssen, wenn sie mit diesem Sport beginnen möchten. Er unterscheidet dabei zwischen dem Training aus gesundheitlichen Gründen und einem leistungsorientierten Training. Neue Forschungserkenntnisse, etwa hinsichtlich der Endothelfunktion bei der„Arterienverkalkung“ sowie Trainingsauswirkungen auf Bluthochdruck, Durchblutungs- und Fettstoffwechselstörung, Zuckerkrankheit, Atemwegserkrankungen und Arthrose runden das Buch gelungen ab.
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